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Skulpturenrundgang

Méta-Maxi

 

   

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Jean Tinguely
(1925 in Fribourg, Schweiz - 1991 in Bern, Schweiz)

Jean Tinguelys Beitrag zur Revolution der Skulptur im 20. Jahrhundert zieht 1960 mit einem ohrenbetäubenden dreißigminütigem Feuerwerk internationale Aufmerksamkeit auf sich: Am Abend des 17. März lässt der Künstler in New York, im Garten des Museum of Modern Art, seine "Homage to New York", eine acht Meter hohe Plastik, zu ihrer eigenen Begleitmusik sich selbst zerstören. Die ursprünglich als Zeichenmaschine geplante Konstruktion bestand aus etwa 80 Zweirad-, Dreirad- und Kinderwagenrädern sowie Objekten wie Badewanne, Klavier, Glocke, Autohupe, Spielkarten, einem Fetzen der amerikanischen Flagge, vielen Fla-schen, Feuerlöscher, einem meteorologischen Versuchsballon, Radio, Ölkanister, Hämmer, Sägen etc. und wurde angetrieben von 15 Motoren.

Der Sehnsucht nach Immaterialität Form geben
  Tinguely, Sohn eines Schokoladenpackers, hat in Basel die Kunstgewerbeschule besucht und eine Lehre als Schaufensterdekorateur gemacht, bevor er 1952 mit seiner ersten Frau Eva Aeppli nach Paris zieht und hier an seinen ersten beweglichen Skulpturen arbeitet. Die enge Freundschaft mit dem französischen Künstler Yves Klein, dem Schöpfer und ,Verkünder' des "International Klein Blau" und des "Raums der Leere", bestärkt Tinguely in seinem Bestreben, der Sehnsucht nach Immaterialität eine Form zu geben. Er möchte die Menschen in seine Kunst verstricken, sie bezaubern, sie aber zugleich geistig befreien und - hier kommt der lebenslange anarchistische Zug des leidenschaftlichen Kommunisten zum Tragen - die Menschen zu bewusstem politischem Handeln kreativ animieren.
1960 in New York
  Tinguely ist 35 Jahre alt, als er 1960 zum ersten Mal in New York, der amerikanischen Metropole des Abstrakten Expressionismus, zu Gast ist, und er findet sofort Eingang in die tonangebenden Künstlerkreise. Er besucht Marcel Duchamp, hat Kontakte zu Johns und Rauschenberg, lernt Stankiewicz, Chamberlain, Nevelson und Stella kennen.
sich selbst zerstörende Skulptur-Maschinen
  Zurückgekehrt nach Paris, begründet Tinguely im November des Jahres mit der jungen Künstlerin Niki de Saint Phalle eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft und beginnt eine rauschhafte, kein Experiment, keine Dimensionen und Provokationen scheuende Arbeitsphase. Auf Schrottplätzen und Abfallhaufen, in verlassenen Fabriken und auf Trödelmärkten findet Tinguely das Material für seine klingenden, zeichnenden, beweglichen, benutzbaren, begehbaren, fahrbaren, mit Bällen, Tellern oder Bierflaschen um sich werfenden ("Rotozaza I-III") oder sich selbst zerstörenden Skulptur-Maschinen.
Fontänen und "Chars"
  Anlässlich seiner ersten Ausstellung in einem deutschen Museum, in Krefeld 1960, entsteht die erste einer Reihe von Fontänen. Die von Tinguely geschaffenen Brunnen, unter anderem in Basel und Paris, gehören zu den aufregendsten, heitersten Schöpfungen ihrer Art. Der Rennwagenfanatiker und leidenschaftliche Mercedes-Benz-Fahrer Tinguely baut eine Reihe von "Chars" (Wagen), Maschinen, die sich jedoch nur vor- und zurückbewegen.
Méta-Maxi-Skulptur
  Gemeinsam mit Niki de Saint Phalle, aber auch mit Künstlerkollegen wie Daniel Spoerri, Bernhard Luginbühl, Jesús Rafael Soto oder François Morellet entstehen in den 70er und 80er Jahren ausgreifende Projekte im öffentlichen Raum wie die Riesenplastik "La Tête" im Wald Milly-La-Forêt bei Paris. Über die 17 Meter breite und 7 Meter hohe, begehbare Skulptur "Große Méta Maxi-Maxi Utopia" von 1987 sagte Tinguely: "Etwas Lustiges will ich schaffen, etwas für die Kinder, die klettern und hüpfen. Ich möchte, dass es gut herauskommt, eindrucksvoll, fröhlich, verrückt und wie auf einem Jahrmarkt... Es ist eine harmonische, pandämonische Méta-Maxi-Skulptur, doch sie darf nicht auffallen, und sie muss nützlich sein. Man benützt sie, um auf verschiedenen Wegen ins oberste Stockwerk zu gelangen, man benützt sie, um schlicht nach oben zu steigen oder um nichts zu tun, man benützt sie, um etwas nachschauen zu gehen, man benützt sie, um zu leben... Ich möchte, dass jeder vergisst, dass er sich in einer Skulptur befindet, doch die Hauptsache ist dabei für mich, dass man Spaß daran hat, dass der Besucher die anderen sieht, auf die er im Innern trifft."