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Robert Rauschenberg
(1925 in Port Arthur, Texas - lebt in New York und Captiva Island, Florida)


Robert Rauschenberg war einer der begeisterten Zeugen von Tinguelys 1960 im Garten des New Yorker Museum of Modern Art explodierender Kunstmaschine. Er war nicht nur tief beeindruckt von dem Künstler Tinguely, sondern auch von dessen großzügiger Lebensweise, und baute für ihn die kleine Skulptur "The Money Thrower", damit Tinguely das Geld leichter ,hinauswerfen' könne.

Am 20. Juni 1961 treten Rauschenberg, Tinguely, David Tudor, Jasper Johns und Niki de Saint Phalle, die Lebensgefährtin Tinguelys, im Théâtre de l'Ambassade des Etats-Unis in Paris mit ihrer ersten gemeinschaftlichen Multimedia-Performance auf, betitelt "The Concert". Es ist eine wortlose Performance mit Anklang an die Bühnenkonzepte von John Cage.


Studium bei Josef Albers

Tudor interpretiert "Variation II" von Cage, eine Maschine von Tinguely fährt auf der Bühne, Saint Phalle macht Schieß-Bilder, Rauschenberg realisiert ein "Combine Painting (First Time Painting)". Eine Freundschaft war begründet, die noch zu vielfältigen Kooperationen führen sollte.

Nach Studienjahren in Kansas City und Paris, wo Rauschenberg seine spätere Frau Susan Weil kennen lernt, empfängt er die weitreichendsten Impulse 1948 / 49 am Black Mountain College in North Carolina. Sein Lehrer war Josef Albers. Er schließt sich der kreativen Atmosphäre der Tänzer und Komponisten Cunningham, Cage und Tudor an, die für ihn von größter Bedeutung bleiben sollten.
Josef Albers öffnet ihm die Augen für eine künstlerische Haltung, die geistige Disziplin und experimentelle Entgrenzung hinsichtlich der verwendeten Materialien vereinigt
- Grundlagen des Werkes von Rauschenberg, für welche später seine Vorbilder vom Beginn des Jahrhunderts, Duchamp und Schwitters, einstehen.

"White Painting"

Den Schritt in die künstlerische Eigenständigkeit vollzieht Rauschenberg 1951 mit den sieben monochrom-weißen Tafeln seines "White Painting", die er in seiner ersten Einzelausstellung in der Betty Parson Gallery, New York, ausstellt.

1951 radiert er eine Zeichnung seines New Yorker Kollegen Willem de Kooning aus, eine nicht minder radikale Geste, mit der Übermacht des amerikanischen Abstrakten Expressionismus abzurechnen.

"Combines"

Doch der Durchbruch gelingt erst Mitte der 50er Jahre mit seinen Assemblagen und "Combines", Arbeiten, die Malerei mit verschiedenen Alltagsobjekten verbinden. In diesen Werken ist einerseits maßgeblich die Entwicklung der Pop Art begründet, andererseits ist hier der Ausgangspunkt für Rauschenbergs weitere Werkentwicklung gelegt, insofern Bild und Skulptur als eigenständige Bereiche weiterverfolgt werden.

Mitte der 60er Jahre beginnt Rauschenberg, mit Elektronik zu experimentieren und gründet gemeinsam mit Billy Klüver das Projekt "Experiments in Art an Technology" (E.A.T.). Es entstehen Bildobjekte und Skulpturen, die Klänge und Musik integrieren oder auf Geräusche reagieren.

Siebdruck: Fotomaterial gleichberechtigt neben Farben und Objekten

1962 entdeckt Rauschenberg für sich das Siebdruckverfahren zeitgleich mit den ersten fotomechanisch vervielfältigten Siebdrucken von Andy Warhol. Es ermöglicht ihm, Bilder der Massenmedien, später auch eigenes Fotomaterial, gleichberechtigt neben Farben und Objekten zu verwenden.

Aber anders als Warhol vermeidet er die stereotype Wiederholung und die Isolierung des Motivs zugunsten einer komplexen inhaltlichen Aussage, die das politisch-soziale Bewusstsein des Betrachters direkt anspricht: "Ich möchte die Leute wachrütteln", so Rauschenberg, "ich möchte, dass die Leute das Material betrachten und darauf reagieren. Ihre individuelle Verantwortung möchte ich ihnen bewusst machen, sowohl für sich selbst wie für die übrige Menschheit. Wie einfach ist es, der Welt gegenüber selbstgefällig zu sein. Die Tatsache, dass du ein paar Groschen für eine Zeitung ausgibst, beruhigt fast schon dein Gewissen. Mit der Lektüre glaubst du bereits deinen Teil getan zu haben. Und du wickelst dein Gewissen in die Zeitung, so wie du deinen Abfall darin einwickelst."

Die Zeit der großen Projekte

Die 70er und 80er Jahre sind für Rauschenberg die Zeit der großen Projekte, Reisen und Kooperationen. 1971 verlegt er seinen Wohnsitz von New York nach Captiva Island, Florida, und gründet einen eigenen Verlag und ein Studio, außerdem Change Inc., eine gemeinnützige Organisation, die Mittel für in Not geratene Künstler bereitstellt.

1984 beginnt das weltumspannende Projekt "Rauschenberg Overseas Culture Interchange" (ROCI), eine Wanderausstellung mit einem wechselnden Bestand an rund 200 Kunstwerken, die in Zusammenarbeit mit Künstlern und Handwerkern in den jeweiligen Ländern entstanden sind. Die 1990 gegründete Robert Rauschenberg Foundation widmet sich als gemeinnützige Einrichtung wissenschaftlichen Forschungsprojekten und politisch-gesellschaftlicher Aufklärungsarbeit.

Der Künstler Rauschenberg ist neben diesen Aktivitäten immer präsent geblieben - die Bilder und Skulpturen der 90er Jahre zeigen ihn als erfindungsreichen Fortführer des in den 50er Jahren entwickelten Konzepts der "Combines", das heißt seines Anspruchs einer möglichst verlustlosen Umsetzung von Realität in Kunst.