Zwei
Fixpunkte sind für den künstlerischen
Start Keith Harings entscheidend: die Heroen der Pop Art um
1960 und die skulpturalen Werke von Alexander
Calder und Jean Tinguely.
Wenn Robert Rauschenberg und Tinguely auf je eigene Weise
an einer möglichst verlustlosen Umsetzung der Kunst ins Leben,
an deren ,Benutzbarkeit' und ,Nützlichkeit' auch für den nicht
spezifisch kunstinteressierten Menschen gearbeitet haben,
so hat Haring dieser euphorischen Lebenszugewandtheit der
Kunst noch einmal neue Dimensionen hinzugewonnen.
1979
entstehen seine ersten Kreidezeichnungen
auf schwarz überklebten Werbeflächen in der New Yorker U-Bahn,
die zu seiner Entdeckung durch den Kunstmarkt
führen werden. Harings Bildwelt reichert sich in den 80er
Jahre motivisch immer mehr an, ohne dass es im üblichen Sinne
eine Werkentwicklung geben würde.
Sein
comichaft reduzierter Strich
verschlingt als durchgezogene Umrisslinie Figuren, Tiere und
Gegenstände zu einem unauflöslichen Muster, einem Pattern.
Sowohl die allgegenwärtigen medialen Bildwelten als auch Motive
aus alter Kunst bindet der Künstler in eine obsessiv
aufgeladene, sexuelle Zeichensprache ein. Ab Mitte
der 80er Jahre widmete er sich besonders farbigen
Stahlskulpturen, angelehnt an die figurativen Kürzel
seiner Bilder. Er sah sie am liebsten in Parks und auf Kinderspielplätzen.