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Das
Haus mit dem Balkonplatz in der Geschichte
Das
Haus Huth in der Alten Potsdamer Straße 5 ist das einzige Gebäude
aus der Kaiserzeit, welches die Bomben des Krieges, die Abrissbirnen
der Nachkriegszeit und den Mauerbau am Potsdamer Platz nahezu
unversehrt überlebt hat.
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hochmoderner
Stahlskelettbau
1912
wurde das Weinhaus nach den Plänen der Architekten Conrad
Heidenreich und Paul Michel erbaut. Nach der Eröffnung
am 2. Oktober 1912 betrieb die Familie Huth in dem vierstöckigen
Haus ein renommiertes Restaurant, eine Weinhandlung
sowie eine Schoppenstube. Um im 2. und 3. Obergeschoss
ein Weinlager einrichten zu können, wurde die sehr stabile
und für damalige Zeit hochmoderne Bauweise des Stahlskeletts
gewählt. Nur durch diese Konstruktion, bei der alle
tragenden Teile miteinander verbunden sind, konnte das
Haus den Krieg unbeschadet überstehen.
die
goldenen Zwanziger
Zwei
Jahre nach der Eröffnung beginnt der Erste Weltkrieg
und mit ihm wandert die feine Gesellschaft Berlins,
die bis dato zur Stammkundschaft im Weinhaus Huth gehörte,
aus der Stadtmitte zum Kurfürstendamm und in den Grunewald
ab. Die Geschäfte laufen erst in den Goldenen Zwanzigern
wieder besser, als 1927 die Grüne Woche und die Funk-
und Automobilausstellung erneut viel Publikum nach Berlin
bringen. Die 180 Plätze der Wirtsstube sind jeden Abend
ausgebucht und der sieben Meter lange Herd in der Küche
ständig überlastet.
Aufschwung
während der Olympischen Spiele
Die
Weltwirtschaftskrise 1929 beendet die Goldenen Zwanziger
auch im Haus Huth: Personal wird reduziert und die oberen
Etagen geschlossen. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten
beschert dem Weinhaus noch einmal einen Aufschwung,
der seinen Höhepunkt während der Olympischen Spiele
1936 und der 700-Jahr-Feier Berlins 1937 erreicht.
Inmitten
von Weltkriegsruinen
Im
Zweiten Weltkrieg wird der Dachstuhl des Hauses von
einer Brandbombe zerstört, trotzdem wird in der Schoppenstube
noch ein Stammgericht und Dünnbier ausgegeben, wofür
die Gäste Schlange stehen. Auf dem Potsdamer Platz sind
fast alle Häuser zerstört, nur das Haus Huth steht fast
unversehrt inmitten von Ruinen.
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Neuanfang mit Eintopf und Ersatzlimonade
Nach
dem Krieg sind es die Angestellten, die den mutlosen,
inzwischen 68jährigen Inhaber Willy Huth ermuntern,
das Haus wieder geschäftstüchtig zu machen. Kochtöpfe
werden gelötet, Fenster mit Pappe vernagelt und am 1.
Oktober 1945 wird das Haus mit Eintopfgerichten und
Ersatzlimonaden wieder eröffnet. Da die Umsätze bescheiden
bleiben, werden die oberen Etagen vermietet und schließlich
die Schoppenstube 1949-51 verpachtet. Statt Haus Huth
ist auf den Speisekarten "Zum Klaussner" zu lesen.
Ende
mit dem Mauerbau
Die
ersten Ruinen am Potsdamer Platz werden in den 50er
Jahren abgerissen und so steht das Haus bald als einziges
Gebäude an der Sektorengrenze. Zehn Wochen vor dem Mauerbau
1961 versucht eine neue Pächterin mit dem Restaurant
"Wiener Heurigen" noch einmal ihr Glück, nachdem Willy
Huth resigniert hat. Doch in der Nacht zum 13. August
1961 erwartet die Pächterin eine böse Überraschung,
als sie in unmittelbarer Nähe ihres Restaurants Pfosten
und Stacheldraht sieht und wenige Tage später eine Meter
hohe Betonmauer steht. Das "Wiener Heurigen" schließt
im Herbst 1961. Willy Huth stirbt im November 1967 im
Alter von 80 Jahren. Witwe und Tochter verkaufen das
Haus an den Senat von Berlin. Ein geplantes Abrissvorhaben
wird mit Rücksicht auf Mieter verschoben. Ein Feuer,
welches in einem Lager für Bastelbedarf ausbricht, hätte
das Haus fast doch noch zerstört.
Die
Institution Haus Huth, inzwischen unter Denkmalschutz,
erlebt mehr oder weniger unbeschadet ihren 70. Jahrestag
und wird im gleichen Jahr vom Bezirksamt Tiergarten
saniert.
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Daimleram Potsdamer Platz
Den
Mauerfall am 9. November 1989 erleben die Mieter im
Hause nur im Fernsehen, denn am Potsdamer Platz bleibt
alles ruhig. Am 10. November 1989 wird in der Nähe des
Hauses eine Bresche in die Mauer geschlagen und damit
ändert sich für das Haus Huth vieles, wenn nicht alles.
Am 12. November 1989 wird der Grenzübergang am Potsdamer
Platz geöffnet und viele Menschen strömen über das Niemandsland.
Die stillen Tage sind vorbei: Im Spätsommer 1989 verhandelt
Daimler-Benz, heute Daimler, über den Kaufpreis
des Areals von insgesamt 68.000 Quadratmetern, welches
nach dem Mauerfall von der Randlage in die Stadtmitte
gerückt ist.
Damit
geht das Haus Huth am 3. Juli 1990 in den Besitz von
Daimler-Benz über. Die Gewinner des 1. Preises des Realisierungswettbewerbs
für den neu zu bebauenden Potsdamer Platz, Renzo Piano
und Christoph Kohlbecker, nehmen das Haus Huth in ihre
Pläne mit auf. So wurde am 29. Oktober 1994 der Grundstein
für das größte Bauvorhaben Europas gelegt, in dessen
Mitte das Haus Huth in seiner historischen Form weiterbesteht.
Denkmalschutz
inmitten der größten Baustelle Europas
Heute
stehen die Stahlskelettkonstruktion, die Fassade aus
Kirchheimer Muschelkalkstein, die Mamortreppenhäuser
sowie das Wappenzimmer im ersten Obergeschoss unter
Denkmalschutz. Erhalt und Umbau des Hauses Huth bedurften
daher größter Sorgfalt und gehörten zu den komplexesten
Bauleistungen auf dem Daimler-Areal.
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So
wurde das Gebäude zu Beginn der Bauarbeiten mit einer
1,20 Meter dicken Betonbohrpfahlwand umgeben, um es vor
dem Abrutschen in die umliegenden, bis zu 20 Meter tiefen
Baugruben zu schützen. Es wurde um eine Kelleretage nach
unten verlängert, um einen direkten Zugang vom unterirdischen
U- und S-Bahnhof zu den Potsdamer Platz Arkaden zu schaffen.
Um dieses zusätzliche Untergeschoss ausbaggern zu können,
wurde das Gewicht des Hauses (rund 5.000 Tonnen) auf 96
Verpressbohrpfähle verlagert. Die Architekten Christine
Kreplin und Hubertus Duwensee haben mit Sachverstand und
Liebe zum Detail den Umbau und die Restaurierung des Hauses
geplant und durchgeführt.
Das
Haus Huth in der Alten Potsdamer Straße 5 ist die letzte
Erinnerung an ein altes Sück Berlin: ein Haus mit einem
Balkonplatz in der Geschichte.
(Teile
des Inhalts basieren auf dem Buch
Wolf Thieme, Das Weinhaus Huth am Potsdamer Platz, Berlin
1999.)
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