Andy
Warhol
Cars Werkserie
1986 / 1987
Siebdruck, Acryl auf Leinwand
Abbildung: Katalog Business Art, Cantz Verlag Stuttgart, 2002
Mit
seiner Bildserie Cars' von 1986/87 ist Andy Warhol, Hauptrepräsentant
der Pop-art, prominent in der Sammlung vertreten. Als seine letzte
Bildfolge blieb diese Arbeit, die der Konzern anläßlich
des hundertjährigen Geburtstags des Automobils in Auftrag gegeben
hatte, unvollendet. Von den 80 geplanten Bildern, die anhand 20 ausgewählter
Mercedes-Typen die Geschichte des Automobils von der Daimler-Motorkutsche
und dem Benz Patent-Motorwagen aus dem Jahre 1886 bis in die jüngste
Gegenwart dokumentieren sollten, gelangten 35 Bilder und 12 großformatige
Zeichnungen mit der Darstellung acht verschiedener Modelle zur Ausführung.
Aus
dem Rahmen seiner spezifischen »lkonographie des Alltags«,
fallen die raren Oldtimer und exklusiven Modellautos nur scheinbar
heraus. Als allseits begehrte, für die Massen jedoch kaum verfügbare
Luxusprodukte, als Objekte der allgemeinen Begierde und Fetischisierung,
weisen sie typische Merkmale auf, die auch anderen Themenkreisen Warhols
eigen sind.
Für
die überzeugende Vermittlung der komplexen Aussage bedient sich
Warhol seiner bewährten, durchaus in sich gebrochenen bildnerischen
Strategie. Den persönlichen Anteil des Künstlers an Komposition
und Bildherstellung weitgehend negierend und damit die Aura des Kunstwerkes
empfindlich störend, reproduziert er photographisches Archiv-
und Werbematerial im mechanischen Siebdruckverfahren. Beides, der
Charakter der Bildvorlagen und die Bildherstellung selbst, verweisen
damit auf die Flut reproduzierter Bilder als Ursache für die
Ausbildung klischeehafter Vorstellungen und daraus abgeleiteter Verhaltensweisen.
Hintergrund
Warhol
ging als ein Maler des Hier und Jetzt in die Kunstgeschichte ein,
als einer, dessen provokante bildnerische Taktik auf der »kaltschnäuzigen
Affirmation« (H. D. Buchloh, 1989) eingefahrener gesellschaftlicher
Verhaltens- und Kommunikationsmuster - zumal im Bereich zwang- und
klischeehafter Konsumgewohnheiten beruhte.
Die gleichzeitige Entwertung und Banalisierung der Gegenstände,
die mit ihrer massenhaften Reproduktion zwangsläufig einhergeht,
findet ihr Äquivalent in den stereotypen Wiederholungen der Einzelmodelle
auf den Mehrfachdarstellungen. Umgekehrt wohnt den schattenlosen,
gleichsam schwebenden Präsentationen der Autos, den irisierenden
Farben, eine ungemein sinnlich verführerische Qualität inne.
Indem Warhol suggestive Mittel der Werbung scheinbar ungebrochen einsetzt,
die solchermaßen präsentierten Objekte aber ihrer ehemaligen
Werbefunktion entledigt, schafft er paradoxerweise mit der Entlarvung
dieser Praktiken selbst eine neue, unverwechselbare Ästhetik.
Lebensdaten
Pittsburgh
1928 - 1987 New York.
1945-49
Studium (Bildgestaltung) am Carnegie Institute of 'I'echnology,
Pittsburgh.
Arbeitet
neben dem Studium als Schaufenstergestalter.
1949 Übersiedlung nach New York und Tätigkeit als Werbegraphiker.