Monumentalität
und elementare Kraft der 'lapidaren' Form zeichnen die '5 Kontinente
Skulptur' Walter De Marias im Verwaltungsgebäude der DaimlerAG aus.
Annähernd zweihundertfünfzig Tonnen wiegen die Marmor-,
Quarz- und Magnesitbrocken, deren Herkunft aus verschiedenen Steinbrüchen
bereits die roh gebrochene Gestalt sowie die unterschiedliche Tönung,
Dichte und Brillanz verraten. Wie der Titel des Werkes nahelegt, entstammen
sie fünf verschiedenen Kontinenten.
Das Alter der verwendeten Steine, an Hand derer Geologen Entste-hungszeitpunkt
und -umstände sowie Beschaffenheit, mithin die gesamte Geschichte
der jeweiligen Kontinente ablesen können, beträgt zwischen
22 Millionen und 1,8 Milliarden Jahre. Zu gleichen Teilen gemischt,
repräsentieren sie eine sowohl materielle als auch ideelle Synthese
des Gesamtglobus: ideell nicht allein wegen der zuvor beschriebenen
Inszenierung, sondern auch aufgrund der idealen Form des Kubus, der
den Steinen nunmehr als neues Gefäß dient.
In
diesem abstrakten geometrischen Körper, dessen Seitenlänge
von 5 Metern nicht ohne Bedacht gewählt ist, spricht sich der
menschliche Gestaltungswille als Quell und treibende Kraft der synthetischen
Leistung aus. Sowohl die rationale Form als auch ihre transparente
Oberfläche - die massiven Stahlverstrebungen wurden auf ein technisch
vertretbares Minimum reduziert - werden zu anschaulichen Sinnbildern
der wirkenden Präsenz des menschlichen Geistes.
Hintergrund
Die Verbildlichung der elementaren Kraft und potentiellen Wirkungsweise
der Natur mit Mitteln, die der Natur selbst abgeschaut sind, mit maßstäblichen
Kategorien sowie Vorstellungen von Erhabenheit und Überwältigung,
die sich an der Größe von Naturereignissen messen, steht
selbstredend für De Marias künstlerische Strategie.
Mit
künstlerischen Mitteln, die verschiedene Tendenzen der Kunst
der sechziger Jahre aufgreifen, zum Teil sogar selbst initiieren,
ohne daß der Künstler einer dieser Richtungen, sei es Minimal,
Conceptual oder Land art, eindeutig zurechenbar wäre, verwirklicht
De Maria eine Kunst, deren integrativer Ansatz wegweisend für
die Bestrebungen nach einer neuen, ganzheitlichen Selbst- und Welterfahrung
in der Kunstproduktion der folgenden Jahre werden sollte.
Lebensdaten
1935
Geboren in Albany, Kalifornien - lebt in New York.
Studium
der Geschichte und Kunstgeschichte an der University of California
in Berkeley.
1960
Übersiedlung nach New York.
1969
Guggenheim Fellowship.
1976
Mather Sculpture Prize des Art Institute of Chicago.
1987
Internationaler Preis für Bildende Kunst des Landes Baden-Württemberg
in Zusammenhang mit der Ausstellung der 5 Kontinente Skulptur'
in der Staatsgalerie Stuttgart.