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Max Bill
verdichtung zu caput mortuum
1972 / 73
Öl auf Leinwand; 100 x 100 cm, diagonal 141 cm

Das Gemälde ‚verdichtung zu caput mortuum' gehört zu einer Reihe von Variationen, deren jeweilige Ausdrucksqualität sich aufgrund der verschiedenen Farbkombinationen unterscheidet. Die 1964 begonnene Serie umfaßt ausschließlich übereck stehende Bilder, die Bill auch "spitze Bilder" nennt. Allein durch diese äußere Gegebenheit, das ungewöhnliche Bildformat, wird Labilität und Spannung ausgedrückt, das Auge zu Bewegungen angeregt.

Bei ‚verdichtung zu caput mortuum' erhält die im Zentrum befindliche, in stumpfem Rotbraun beziehungsweise caput mortuum getönte quadratische Fläche durch die äußeren gleichschenkligen Farbdreiecke und Farbbänder eine besondere Qualität: Sie wird zur Resonanzfläche für die gelb-roten und blau-violetten Farbakkorde, die mit Rotbraun in Wechselwirkung treten. Die "eindeutige Prägnanz" der Farbformen verleiht ihr, im Gegensatz zur Instabilität der Bildform, innere Tiefe und Festigkeit. Der tote quadratische Nukleus mit der Erdfarbe caput mortuum erhält Leben.


Hintergrund

Max Bill, Mitglied der Schweizer Gruppe ‚Zürcher Konkrete', war Architekt, Maler, Plastiker, Designer, Politiker, Pädagoge, Schriftsteller, kurz, ein ‚universaler Gestalter'.

In der Auseinandersetzung mit den Prinzipien der Konkreten Kunst erweitert und präzisierte er die Definition Theo van Doesburgs: "konkrete kunst nennen wir jene kunstwerke, die aufgrund ihrer ureigenen mittel und gesetzmässigkeiten - ohne äusserliche Anlehnung an naturerscheinungen oder deren transformierung, also nicht durch Abstraktion - entstanden sind. konkrete kunst ist in ihrer eigenart selbständig. sie ist der ausdruck des menschlichen geistes, für den menschlichen geist bestimmt, und sie sei von jener schärfe, eindeutigkeit und vollkommenheit, wie dies von werken des menschlichen geistes erwartet werden muß. konkrete malerei und plastik ist die Gestaltung von optisch wahrnehmbarem. ihre gestaltungsmittel sind die farben, der raum, das licht und die bewegung... konkrete kunst ist in ihrer letzten konsequenz der reine ausdruck von harmonischem mass und gesetz. sie ordnet systeme und gibt mit künstlerischen mitteln diesen ordnungen das leben... sie erstrebt das universelle und pflegt dennoch das einmalige. sie drängt das individualistische zurück, zugunsten des individuums."

Entsprechend fordert Bill für die Kunst eine mathematische Denkweise, um die Kontrollierbarkeit der Gestaltungsprinzipien zu garantieren. Mittlerweile sieht er hierin allerdings nur eine der möglichen Methoden, "ein nützliches Hilfsmittel, mit denen Ideen sichtbare Gestalt annehmen können".

Lebensdaten
  • Geb. 1908 Winterthur; gest. 1994 in Berlin.
  • 1924-27 Kunstgewerbeschule Zürich, Lehre als Silberschmied.
  • 1927-29 Studium am Bauhaus in Dessau, unter anderem bei Wassily Kandinsky, Paul Klee und Oskar Schlemmer.
  • Ab 1930 wieder in Zürich.
  • 1932 Mitglied von ‚abstraction-creation'.
  • 1950 Mitbegründer der Hochschule für Gestaltung in Ulm, Planung des Schulprogramms und der Bauten, erster Rektor.
  • 1956 Niederlegung seiner Ämter an der Ulmer Hochschule für Gestaltung.
  • 1967-71 Mitglied des Schweizerischen Nationalrates.
  • 1967-74 Professor an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, Lehrstuhl für Umweltgestaltung.
  • 1972 außerordentliches, ab 1976 ordentliches Mitglied der Akademie der Künste in Berlin.
  • 1973 außerordentliches Mitglied der Königlich-flämischen Akademie der Wissenschaften, Literatur und Bildenden Künste, Brüssel.