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Museum im Kulturspeicher Würzburg    
12. Juli - Sept 2008

 

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minimal funktional
Künstler als Architekten, Designer und Graphiker

     
   

 

 

 

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Einführung

 

 
   


Nic Hess
König Gerrit; 2007



Richard Merkle
Wandstuhl, 1995
Holz, Acryl
132 x 67 x 6 cm

Wenige Objekte des 20. Jahrhunderts haben wie Gerrit Rietvelds Rot-blauer Lehnstuhl von 1918-23 so sehr ins Bewusstsein gehoben, dass die Perspektive, die wir einnehmen, unsere Einschätzung, den ‚Wert' ein Dinges bestimmt - Nützlichkeit? Schönheit? Funktionalität? Oder: Möbel? Skulptur? Plastisches Bild? - Die rationale Gestalt und primäre Farbigkeit des Rietveld'schen Originals verband sich mit der Utopie, dass die Aufhebung der Grenzen zwischen Kunstwerk und Gerbrauchsgegenstand die Vision einer idealen Gestaltung der Umwelt erfahrbar werden lässt.

Zwei jüngere Positionen unserer Ausstellung Minimalism and Applied nehmen Rietveld zum Ausgangspunkt neuer zeitgenössischer Verortungen - man könnte auch sagen: Erdungen - der Rietveldschen Utopie. Nic Hess hat in einem Nachbau des Rot-blauen Lehnstuhls diesem eine majestätisch hohe Rückenlehne gegeben und ihn mit farbigen Tapes am Boden fixiert.


Richard Merkles Wandstühle machen, wie Rietveld, die funktionalen Elemente über eine zugeordnete Farbigkeit visuell lesbar, überwinden aber darin zugleich die reine Funktionalität in Richtung auf eine minimalistische Bildsprache. Das Sitzelement als Gegenstand, dem sowohl nützliche wir ästhetische Momente eignen können, durchzieht charakteristisch die Ausstellung. Da sind zunächst zwei Klassiker des 20. Jahrhunderts, Max Bills/Hans Gugelots Ulmer Hocker, von 1954, und zwei von Donald Judd 1987 entworfene Stühle. Die Schau bezieht aber mit Konstantin Grcic' schwarzem Polsterstuhl Chaos, 1999, auch einen der herausragenden Designer der Gegenwart ein: Georg Winter hat dem Grcic Stuhl eine Nackenrolle verpasst und dem Nutzer des Ensembles einen Monitor als Medium eines kontemplativen Denkens gegeben.


Drei Positionen - Zobernig, Zittel, Shirayama - diskutieren die Auseinandersetzung mit der amerikanischen Minimal Art der 1960er Jahre. Die acht farbigen Schaumstoffkuben Zobernigs, ursprünglich für sein UCS Fernsehstudio entworfen, kann man wie eine Minimal-Skulptur von Robert Morris im Raum positionieren, auf die Seite gelegt aber ergeben sie eine unkonventionelle Sitzlandschaft. Eine ebenso unübersehbare wie unwiderstehliche Einladung zum Sitzen, Lesen, Reden ist Andrea Zittels A-Z Pit Bed, das 2001 nach spezifischen Vorgaben für die Sammlung gefertigt wurde. Zittel hat Judd's Minimal Möbel in die Gegenwart weiter entwickelt; jüngste Referenz auf die Minimal Art - hier auf John McCracken - ist schließlich die an der Wand lehnende Bierbank mit Leuchtfarbe-Akzenten der 1980 geborenen Londoner Künstlerin Meg Shirayama.

Anton Stankowski, der zunächst um 1930 von Zürich, dann bis zu seinem Tode 1998 von Stuttgart aus das Graphikdesign revolutioniert hat, daneben aber immer bildkünstlerisch präsent war, wird pars pro toto mit seinem berühmten Logo für die Deutsche Bank sowie als Maler vorgestellt. Der langjähriger Atelierpartner von Stankowski, Karl Duschek, ist gleichermaßen als Grafikdesigner wie als konkreter Künstler bekannt geworden.
Shusako Arakawa, 1961 von Japan nach New York gewechselt, ist mit Bildern seiner konzeptuell-minimalistischen Phase aus den 1960er Jahren präsent; daneben stehen seine visionären Architekturentwürfe, an denen er zusammen mit Madeline Gins seit etwa 1970 arbeitet. Auch Franz Erhard Walther ist, neben seinen handlungsbezogenen Skulpturen, seit 1990 mit signifikanten Bauten hervorgetreten.

     

 

 

 

     
   

 

Heimo Zobernig
Acht Kuben, 1995
(Fernsehstudio)
Sylvan Lionni
Interregnum, 2004
Acryl auf Leinwand
119 x 183 cm
 
     

 

 

 

     
   

Leonor Antunes
Balfron I, 2007 (Ausschnitt)
Messingvorhang, Lampe, Wandskulptur (Metallnägel
und Schnur), Bodenarbeit

 
Ruby Anemic; 2007

Ein Grenzgänger zwischen ›Minimal‹ und ›Applied‹ schon im New York der 1950er Jahre war Alexander Libermann, der mit großen Skulpturen und Malerei hervorgetreten ist, aber parallel auch das Erscheinungsbild der amerikanischen Vogue gestaltete.

Die Reispapierlampen von Isamu Noguchi, biographisch mit Japan und den USA verbunden, zählen zur Design-Ikonographie des 20. Jahrhunderts.
Weniger bekannt aber nicht weniger stilbildend für den Nachkriegs-Look einfachen Küchengeschirrs wie auch zeitgenössischer Designs sind die 1953 entworfenen Schalen des dänischen Ingenieurs Herbert Krenchel.

1953 ist auch das Geburtsjahr eines anderen Design-Klassikers des 20. Jahrhunderts: Charles Eames entwarf spezifisch für Kinder die Garderobe Hang it All, die mit ihren bunten Kugeln die Kleinsten zur Ordnung animieren sollte. Das Kleine ins viel zu Große transferiert hat 2007 der junge Berliner Designer und Künstler Ruby Anemic: Seine nun 2 Meter Breite messende Garderobe wird grundsätzlich in den
Farben der original Garderobe von Charles Eames angeboten.
Für die Daimler Kunst Sammlung wurde eine Sonderanfertigung erstellt,
deren Farbkonstellation der kühlen Farbgebung von Imi Knoebels Gemälde
Grace Kelly (V-3), 1990, entlehnt ist.
Die Proportionen der monochromen Farbflächen von Knoebels Grace Kelly Serie waren wiederum Vorbild für Richard Merkles Wandstühle. "Objekte zum imaginativen und realen Gebrauch":

Der Untertitel unserer Ausstellung leitet über zu einer Konstellation von Arbeiten, die vor allem die Vorstellungskraft ansprechen wollen: Hierzu gehören ein Bild des New Yorkers Sylvain Lionni, welches eine Stadion-Grafik zur Sitzplatz-Bestellung als abstraktes Muster interpretiert; das aggressiv-dominante ›Woll-Spinnennetz‹ der in Los Angeles lebenden Krysten Cunningham; die gezeichneten Tagebuch-Codes der jungen New Yorkerin Danica Phelps; die an Fred Sandback anknüpfenden, minimalistischen Architekturbearbeitungen der Portugiesin Leonor Antunes.

Sie alle argumentieren auf der Basis gleitender Übergänge: Nützlich? Schön? Funktional? Oder: Möbel? Grafik? Plastisches Architekturbild?

     

 

 

 

     
   

 

Franz Erhard Walther
Koppelschleusse Meppen

 
     

 

 

 

     
           
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