Sammlung Daimler
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Skulpturenrundgang am Potsdamer Platz Publikationen


Daimler Contemporary       
15. Juni - 2. September 2007

 

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Art Scope - Interface Complex
Zeitgenössische Kunst aus Japan und Deutschland

Zeitgenössische Architektur in Südafrika
Daimler Award for South African Contemporary Architecture 2007

     
   

 

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Publikation

Pressematerial

   
     

 

 

 
   

Water Cell

Air Cell

Kohei Nawa

Das cervus nippon yesoensis, oder Hokkaido-Sikahirsch, ist eine aus Ostasien stammende Hirschart, die heute in vielen Gegenden der Welt vorkommt. Auch in Deutschland hat sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts aus entflohenen und umgesiedelten Tieren eine wild lebende Population von Sikahirschen entwickelt. Kohei Nawa hat sein im Daimler Contemporary ausgestelltes Exemplar weder in der Hokkaido-Region noch in Deutschland gefunden.

Nawa beginnt seine Suche in den wohlbekannten Internet-Suchmaschinen, verfolgt die elektronischen Spuren bis in die Online Auktionshäuser und erwirbt schließlich den gewünschten Artikel direkt am Bildschirm - alles im World Wide Web. Bei der sich anschließenden Bearbeitung bedeckt der Künstler die Oberfläche seiner Objekte - von Spielzeugen bis hin zu Schuhen oder Musikinstrumenten - gänzlich mit Glasprismen und Glasmurmeln. Sämtliche auf diese Weise entstandenen Werke der so genannten "PixCell"- Serie bewahren zwar ihre ursprüngliche Eigenschaft, jedoch erhalten sie eine zweite Haut - eine "Lichthülle". Auf diese Weise bringt Nawa dem Betrachter die Besonderheiten des digitalen Zeitalters nahe und belegt, wie sehr die Realität der Dinge von deren Wahrnehmung abhängt.

Nawas Materialien und Techniken sind stets durch die kulturellen Ausdrucksformen und die materiellen Möglichkeiten geprägt, die mit seinem jeweiligen Arbeitsort verbunden sind. So erweiterte der Künstler auch in Berlin seine persönlichen Ausdrucksmöglichkeiten: Vor Ort begann der Künstler, die regelmäßig vor seinem Studiofenster wechselnden Graffitis zu studieren und mit der Oberflächenstruktur seiner entstehenden Zeichnungen zu vergleichen. Das dabei entstandene Bewusstsein für die außergewöhnlich haptische Komponente seiner Zeichnungen nahm Kohei Nawa mit zurück nach Japan.

Kohei Nawa wurde 1975 in Osaka in Japan geboren. Er lebt und arbeitet in Kioto.

     

 

 
   



"Cheering for Art"

Hiroharu Mori

Hiroharu Mori hat, aufgrund seiner langjährigen Auslandsaufenthalte, eine Sensibilität für interkulturelle Unterschiede und gesellschaftliche Schnittstellen entwickelt. Aus dieser Perspektive entdeckt er kulturelle und soziale ‚Abnormitäten', die es ihm gelingt einzufangen und, meist humorvoll, in seinen Videoarbeiten pointiert herauszustellen.

In dem Video "After a Painting" offenbaren sich Moris Wurzeln in der Malerei: Das scheinbar unveränderliche Motiv verweist auf Vermeers "Milchmagd" aus dem Jahr 1658 und überführt diese malerische Inkarnation der ‚Stille' mittels zeitgemäßer Videotechnik in die Jetztzeit. Alle räumlichen Gegebenheiten werden ausgeblendet zugunsten der Konzentration, unterstützt durch die horizontale Komposition und eine perfektionierte Schnitttechnik, auf die allein wahrnehmbare Bewegung des Ausschenkens von Wasser. Stille und Zeitlosigkeit des projizierten Bildes lassen in der alltäglichen Handlung ein archetypisches Moment aufscheinen.

Das Video "Cheering for Art" hat Mori während eines Art Scope-Aufenthaltes in Berlin konzipiert. Vor Ort beobachtete der Künstler die Gepflogenheiten in der lokalen Kunstszene und war insbesondere von der scheinbaren Zwanglosigkeit, der Begeisterung und den exzellenten Ausstellungsmöglichkeiten beeindruckt, die sich für zeitgenössische Künstler in Berlin bieten. Zurück in Japan schärfte dieser neuer Erfahrungshintergrund seine Wahrnehmung für die Eigenarten der japanischen Kunstwelt. Mori engagierte in Tokyo eine Gruppe von studentischen Cheerleadern, die in drei einstudierten Performances die Vorzüge der zeitgenössischen Kunst lautstark agitieren. Das Video versucht den Betrachter auf eigentümlich japanische, fast militärische Art und Weise für die "Künste" aufzumuntern. Dahinter allerdings steht das tief in der japanischen Mentalität verankerte Moment des "Sich-Selbst-Verspottens".

Hiroharu Mori, 1969 geboren, lebt und arbeitet in Yokohama, in der Präfektur Kanagawa.

     

 

 
   



Katja Strunz

Sommerblumen auf einer Wiese, ein Wald voller Pilze, oder doch eine Sammlung fernöstlicher Schlaginstrumente - die Assoziationsmöglichkeiten für den Betrachter sind mannigfaltig. Langsam und ohne es zu merken wird man in die Phantasie der Künstlerin hineingezogen, gerät ins Taumeln und vergisst sich im Dickicht der Parasols. Diese Idee der "Invasion" ist ein zentrales Thema der Skulpturen, Objekte und Installationen von Katja Strunz. Ihre Arbeitsweise ist eng verbunden mit der Technik des "Faltens", erkennbar insbesondere in ihren minimalistischen Wandreliefs.


In "Einladung zur Angst" werden wir aufgefordert, die sich wie in einer Gefahrensituation entfaltet haben, uns gedanklich im Schutz der Parasols an der Schnittstelle von konkreter ‚Gestalt" und Abstraktion einzufinden. Das Abstrakte ist für Strunz, die sich hier auf Italo Calvino bezieht, das Leichte, Immaterielle und Ideelle - ein schwereloses Gegenstück zur opaken Dichtigkeit dieser Welt. In diesem unheimlich anmutenden Moment des Loslassens entsteht die zeitliche Diskontinuität, welche die Objekte und Installationen von Katja Strunz einzufangen versuchen, um sich im gleichen Moment räumlich wieder zu entfalten.

Katja Strunz, Jahrgang 1970, studierte in Mainz und Karlsruhe Philosophie, Kunst und Grafik. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

     

 

 

 
   

Clara Schumann Radio Station

Georg Winter

Am Rosenmontag vor 153 Jahren sprang Robert Schumann, in der Absicht seinem Leben ein Ende zu setzen, in den Rhein bei Düsseldorf. Der Selbstmordversuch misslang jedoch kläglich. Schumann, nur im Morgenmantel gekleidet, wurde von Rheinschiffern, die ihn erkannten, aus dem Wasser gezogen und anschließend von einer Horde Schaulustiger mit einer Maskerade nach Hause geleitet.

Diese existenzielle Situation des bekannten deutschen Komponisten nahm Georg Winter während seines Tokio-Aufenthaltes zum Anlass, sich mit den Widersprüchen der Natur-Utopien deutscher Romantiker und den heutigen urbanen Gegebenheiten in Japan auseinanderzusetzen. Winter entwickelte im Rahmen seines fernöstlichen Forschungsprojektes die "Clara Schumann Radio Station".

Seit mehr als 15 Jahren leitet Winter, als geschäftsführender Direktor, die Geschicke von Ukiyo Camera Systems. UCS ist ein Entwicklungsbüro für Kameratechnik und neue Medien und zugleich die Dachorganisation, unter der die komplex verzweigten künstlerischen Aktivitäten des Künstlers zusammengefasst werden. Den aus dem Japanischen stammenden Begriff "Ukiyo" übersetzt Winter mit dem Satz: Die Achtsamkeit für den Augenblick überwindet die Traurigkeit vor dem Verrinnen der Zeit.


Winter hat dafür, unter der Firmierung von Ukiyo Camera Systems, eine breite Palette von Instrumentarien entwickelt - Fotokameras, Notebooks, Mobiltelefonen oder TV-Kameras -, die in der Anwendung das konventionelle Verständnis von Medienbegriffen um grundlegende Fragen der sozialen Interaktion, sinnlich-motorischer Aktivitäten und der Entsprechung von Wort und Handlung erweitern.

Georg Winter, geboren 1962 in Biberach im Schwarzwald, hat an der Staatlichen Kunsthochschule Stuttgart studiert. Er lebt und arbeitet in Stuttgart und Budapest.

     

 

 

 

 
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