Anfang
der 1990er Jahre wurde für die Daimler Kunst Sammlung damit begonnen,
den Schwerpunkt Malerei um Werke aus den Bereichen neuer Medien zu erweitern:
Fotografie, Video, Objektkunst, Leuchtkästen, installative Arbeiten.
Die Ausstellung
mit Neuerwerbungen für die Sammlung zeigt - hier in Berlin nun schon
in dritter Folge seit 2001 - die Fortführung dieser Tendenzen. Sylvie
Fleury ist mit sechs neuen Filmen vertreten, die 2005 für
das Mercedes-Benz Markencenter Paris gedreht wurden. Die Filme verschmelzen
den Mythos der legendären Mercedes-Benz Automobile vom Blitzen-Benz
über den Flügeltürer bis zum C 111 mit aktuellsten zeitgenössischen
Ideen aus Kunst und Mode.
Die junge, indische
Künstlerin Shilpa Gupta präsentiert
eine interaktive Videoinstallation, welche die ideologischen Regelwerke
von Mode und militärischer Formation ineinander blendet.
Von Guy
Tillim, dem Preisträger des Daimler Award Südafrika
2004, werden eindrückliche Beispiele einer neuen, in Petros Village,
Malawi/SA, entstandenen Fotoserie vorgestellt. Ergänzt werden diese
Werke durch Videos von Bernie Searle, Bernhard
Kahrmann und Heimo Zobernig, Fotos
und Bildobjekte der indischen Künstler Pamela
Singh und Justin Ponmany sowie eine
Skulpturengruppe von Ina Weber.
Sylvie
Fleury (*1961 Schweiz),
Paris Commissioned, 2005
6 Videos (Drei-Kanal-Projektion) für das Mercedes-Benz Center Paris
Sylvie Fleury
Paris Commissioned, 2005
6 Videos (Drei-Kanal-Projektion) für das Mercedes-Benz Center Paris
Das Werk von Sylvie
Fleury - Bildobjekte und Skulpturen, Wandmalereien und Videos, Fotografie
und Installation - ist von allen wichtigen Museen weltweit ausgestellt
und gesammelt worden. Im Auftrag von Daimlerhat Sylvie Fleury
eine Serie von sechs Videoarbeiten für das neue Mercedes-Benz Markencenter
Paris gedreht.
Ebenso hintergründig
wie elegant verschmilzt die Künstlerin den Mythos legendärer Mercedes-Benz
Automobile mit den aktuellsten zeitgenössischen Ideen aus Kunst und
Mode. Fleury
zelebriert und demonstriert das Leben als Obsession - sie ist Fashion
Victim und Autofanatikerin aus Leidenschaft, Kunstversessene und Kunstkennerin,
Esoterik-Guru und Apologetin eines »Faster Better Cheaper«, wie der
Titel einer ihrer Neonarbeiten lautet.
Die neuen, im Auftrag
von Daimlerentstandenen Videoarbeiten von Fleury verschmelzen
den Mythos der legendären Mercedes-Benz Automobile vom Blitzen-Benz
über den Flügeltürer bis zum C 111 mit aktuellsten zeitgenössischen
Ideen aus Kunst und Mode.
An den authentischen
Stuttgarter Schauplätzen der historischen Mercedes-Benz Karossen - in
den Showrooms, Werkstätten und auf der Teststrecke des Classic Center
Fellbach bei Stuttgart - läßt Fleury weibliche Models mit trendigem
Outfit in einer Art minimalistischer Choreographie klassisch ‚männliche'
Handlungen dirigieren und vorführen: Flügeltürer werden wie futuristische
Engel auf- und niedergefahren, die Models polieren mit Händen lackglänzenden
Kurven von Oldtimern, Kosmetikprodukte werden von breiten Rennreifen
gecrasht, alte Motoren auf Touren gebracht, Silberkugeln durch die Werkshallen
gefegt.
Im Daimler Contemporary ist Shilpa Guptas interaktive Videoinstallation "Ohne Titel",
2004 zu sehen. Die raumbreite Projektion zeigt junge Frauen, die in
Tarnuniformen gekleidet sind.
Von ihrem ursprünglichen
Zweck befreit changiert die Wirkung der Kleidung zwischen militärischem
Drill und modischem Accessoire, hat doch die Mode aus Anzügen der Armee
den Camouflage-Stil kreiert. Die modische Camouflage beinhaltet in Guptas
Werk mehrere Bedeutungen: Es zeigt die Übernahme von Stil und gilt als
Ausdruck für modisches Bewusstsein. Andererseits artikuliert sich in
Kleidung und Habitus eine Demonstration gegen westliche Vereinnahmung.
Denn die Kommerzialisierung
der Lebenswelt, wie sie sich der jüngeren Generation in Indien darbietet,
stellt tradierte Identifikationsmuster in Frage. Gerade die jungen Erwachsenen
erfahren den sozialen Wandel gleichsam als individuelle Befreiung wie
auch Gefahr, welche die tragenden Werte der Gesellschaft zu zerstören
droht.
Die sieben animierten
und für die Besucher interaktiv zu steuernden Figuren bewegen sich nach
programmierten Befehlen. Die Sprache und Musik der Installation beinhaltet
jedoch die Botschaft, sich weder der Macht des Konsums noch einem politisch
motivierten, ideologischen Terror wehrlos auszuliefern.