Das hauptsächliche
Sammlungsinteresse des Unternehmens Daimlerwurde in den letzten
Jahren um Beispiele protominimalistischer Malerei im Amerika der 1940er
Jahre erweitert, zu nennen sind für die Ausstellung Frederick Hammersley
und Karl Benjamin als zwei prominente Vertreter der sogenannten ›Abstract
Classicists‹.
Alexander
Liberman
Revolving; 1959
61 x 91,4 cm Öl auf Leinwand
Diesen Klassizisten
der amerikanischen Westküste sind mit den über die New Yorker Kunstszene
verbundenen Künstlern Ilya Bolotowsky, Alexander Liberman, Al Held,
Gene Davis, Robert Ryman, Oli Sihvonen und David Novros repräsentative
Werke des Minimalismus der 1950er/60er Jahre gegenübergestellt. Eine
zeitlich parallele Entwicklung - ausgehend von der Vermittlung und Rezeption
von Bauhaus und Konstruktivismus nach Südamerika und Indien - wird anhand
ausgewählter Arbeiten von Almir da Silva Mavignier, Yaacov Agam, Carlos
Cruz-Diez sowie S.H. Raza nachvollziehbar.
Den nordamerikanischen Schwerpunkt geometrisch-abstrakter Traditionen
nach 1945 ergänzt die Ausstellung »Outside Europe« mit prominenten Vertretern
japanischer Kunst. Erkennbar wird die transatlantische Wirkungsgeschichte
von konkret-konstruktivistischer Kunst, von Minimal und Concept Art.
Dieser Dialog von Europa aus nach Amerika und weiter nach Asien gründete
in einem regen Austausch einzelner Künstlerpersönlichkeiten. Zu nennen
sind hier beispielgebend Shusaku Arakawa, Taadaki Kuwayama, Isamu Noguchi
und Keiji Usami. Ihnen sind japanische Künstler/innen mit zeitgenössischen
Werken benachbart, welche die aktuelle Auseinandersetzung mit der eigenen
kulturellen Identität (Are You Meaning Company) sowie die Begegnung mit
westeuropäischen Kunstströmungen thematisch ablesbar machen. Infolge des
seit 1991 von DaimlerJapan begründeten Förderpreises »Art Scope
Japan« wird die Daimler Kunst Sammlung auch zukünftig das japanische
Kunstgeschehen verfolgen.
Haim
Steinbach (*1944/IL)
ohne Titel (dust pans, door mats), 1990,
Holz-Laminat und Objekte,
111 x 216 x 80 cm,
Vincent
Szarek (*1973/USA) Red Hoods, 2003,
Urethan auf Fiberglas,
213 x 109 x 20 cm,
Eine kritische
Revision modernistischer Kunst der 1950er/1960er Jahre findet mit Beginn
der 1980er Jahre statt - mit einer Künstlergeneration, die eine Brückenfunktion
zwischen der Kunst der Nachkriegsjahre und den jungen Künstler/innen
der Sammlung einnimmt. Die formalistische Tradition der Klassischen
Moderne, welche sich im europäischen und amerikanischen Hard Edge und
Minimalismus wiederfindet, wird auf ihre Aussagen überprüft. In dieser
Generation wird ein Spannungsverhältnis besonders zwischen amerikanischen,
damit verwandt auch australischen Künstler/innen der Sammlung, und asiatischen
Positionen erkennbar.
In der aktuellen
Ausstellung steht den amerikanischen bzw. australischen Vertretern Haim
Steinbach, John Nixon und Stephen Bram die entsprechende Generation
japanischer Künstler/innen mit Namen wie Yuko Shiraishi und Yuji Takeoka
gegenüber. Grund für dieses Auseinanderdriften liegt einerseits u.a.
in der Fokussierung auf die Objektfixierung der Lebenswelt, wie sie
sich in den Arbeiten u.a. Haim Steinbach thematisiert findet.
Auf der anderen Seite
steht, mit Blick auf die fernöstliche Kunst, eine anhaltende Auseinandersetzung
mit der Philosophie des Zen als fundamentaler Grundlage japanischer Lebenspraxis.
Erstmals stellt
die Ausstellung junge indische sowie aus Georgien stammende Künstler/innen
vor. Mit Gia Edzgveradze und Tamara K.E. sind zwei Generationen präsent,
welche einerseits mit dem Hintergrund der Konzeptuellen Kunst und deren
Beschäftigung mit der Struktur von Sprache und andererseits dem symbolischen
Gehalt einer traditionellen Bildikonographie (bis hin zu religiösen Vorbildern)
arbeiten. Dies spiegelt sich dies vor allem in den Werken Edzgveradzes
durch die Verwendung von Chiffren sowie der Öffnung des klassischen Tafelbildes.
Bei Tamara K.E. steht hinter der Verwendung christlicher Bildwelten (Madonna,
Jesus am Kreuz) die zeitgenössische Analyse geschlechtsspezifischer Rollenzuschreibung.
Shilpa
Gupta (*1979/IND),
Untitled, 2004
Videoprojektion (Länge ca. 8 m)
mit interaktiver Computeranimation
Guy
Tillim (*1962/ZA),
Kamajoor-Milizen, 2001/04,
Digitaldruck Aufl. 3/5, 79,5 x 53 cm,
Dieses auf feministische
Kulturtheorien der 1970er Jahre zurückgehende Thema, fortgeführt in
der universitären Forschung unter dem Begriff der Gender Studies, durchzieht
auch weiterhin das aktuelle Kunstgeschehen.
Hier findet sich
auch eine Verbindung zu den Neuerwerbungen der Sammlung von zwei indischen
Künstlerinnen, Pamela Singh und Shilpa Gupta. Sie zeigen die Ordnung
der indischen Gesellschaft als weiterhin hierarisch gegliedert, in welcher
die Frauen außerhalb der Familie ihren eigenen Raum erst noch durchzusetzen
haben. Hinsichtlich gesellschaftskritischen und politischen Reflexionen
setzen ebenso die Werke von Alfredo Jaar, Dmitry Gutov, Uri Tzaig und
Guy Tillim wesentliche Akzente. Von Guy Tillim, Preisträger des seit
2000 vergebenen Daimler Award for South African Culture, ist
eine eindrucksvolle Fotoserie junger Kamajoor Milizionäre zu sehen.
Alfredo Jaar, seit
seinem documenta Auftritt 1987 als einer der wichtigsten sozialkritischen
Konzeptkünstler bekannt, ist mit einem Mahatma Gandhi gewidmeten Leuchtkasten
vertreten. Eine durchaus kritische Grundeinsicht verbindet die Arbeit
von Jaar mit derjenigen etwa von Dmitry Gutov: Dass Sprache und Bild
heute mehr der Selbsttäuschung, der Verunklärung und bewusster Geschichtsfälschung
dienen, als dass sie Medium freiheitlicher Begegnung mit dem eigenen
und dem fremden Selbst sein könnten.