Ausstellungsansicht
mit Arbeiten von
Tom Sachs, Peter Halley, Jeremy Moon
Tom
Sachs
Untitled (Peter Halley); 2000
Foamcore, thermal adhesive, ink
177 x 146 x 10 cm
Brillo
Box; 2003
Foamcore, thermal adhesive, ink
3-tlg., je 43 x 37 x 44 cm
Die vierte
Folge unserer 2001 begonnenen Ausstellungsreihe ›Minimalism and After‹
fokussiert zwei geographische sowie einen diese übergreifenden inhaltlichen
Schwerpunkt.
Ein erster geographischer Fokus richtet sich auf exemplarische Positionen
reduzierter, geometrisch- abstrakter Malerei im Großbritannien der 1960er
Jahre sowie auf aktuelle Weiterentwicklungen dieser Vorläufer in der jungen
britischen Kunst der 1990er Jahre.
Ein zweiter geographischer
Fokus führt die in ›Minimalism and After‹ 2001 bis 2004 bereits grundgelegten
Ergänzungen der Daimler Kunst Sammlung im Bereich amerikanischer minimalistischer
Bildpositionen weiter - auch hier mit einem Brückenschlag zu aktuellen
Positionen in den USA, welche die Definitionen und Haltungen der Nachkriegsklassiker
aufgreifen und weiter bearbeiten.
Ein übergreifender,
inhaltlich-thematischer Schwerpunkt ist mit Bildern, Skulpturen, Zeichnungen
und Videos gegeben, die sich mit dem Verhältnis von minimalistischer
Objektkonzeption und gebautem Raum befassen: als konzeptuelle Recherche,
als artifiziell-modularer Raumentwurf, als reales Architekturmodell
oder als klang-bildliche Erweiterung unserer Raumerfahrung.
Rund dreißig Neuerwerbungen
von 24 Künstler/innen werden vorgestellt, darunter Schlüsselwerke abstrakt-minimalistischer
Wegweiser wie Michael Heizer (USA), Jeremy Moon (GB), Michael Kidner
(GB) oder Marcia Hafif (USA) neben jüngsten Entwicklungen wie Jim Lambie
(GB), Ian Davenport (GB) und Tom Sachs (USA).
Die weitergehende
thematische Konzentration in ›Minimalism and After IV‹ zu Fragen von Architektur
und Raum vereint Skulpturen u.a. von Julian Opie (GB) und Mathias Goeritz
(D / MEX), Fotografien von Dan Graham (USA), Santiago Sierra (E) und Attila
Csörgö (H) sowie eine Soundinstallation von Katarina Löfström (S).
Ausstellungsansicht
mit Arbeiten von
Michael Heizer und Bernar Venet
Ausstellungsansicht
mit Arbeiten von
Sarah Morris, Jeremy Moon
Geometrische Abstraktion,
prototypische minimalistische Bildkonzepte oder Beispiele von Hard Edge
Malerei, Post Painterly Abstraction oder Systemic Painting sind in Großbritannien
seit etwa 1950 zwar zum Teil qualitativ herausragend präsent, jedoch
bis vor wenigen Jahren in der kunsthistorischen Rezeption weitgehend
ausgeblendet worden.
Die historischen Wegmarken dieser weitgehend unbekannten Geschichte
britischer Kunst sind schnell benannt:
1933 Gründung von ›Unit One‹ als Speerspitze
modernistischer Kunstentwürfe -
1937 Gründung der Zeitschrift ›Circle‹,
welche die kreativen und sozialen Ideen des Konstruktivismus vorstellt
-dann der ›Aufbruch‹ des Jahres 1960: Gründung der Künstlergruppe ›Situationisten‹
und parallel dazu der Zusammenschluss von Architekten und Künstlern
unter dem Titel "Construction England 1950-1960".
Einschneidend wird für diese Künstler die Begegnung mit abstraktem Expressionismus
und Hard Edge amerikanischer Prägung, die in der Londoner Tate Modern
1956 und 1959 vorgestellt wurden, hier vor allem Barnett Newmann und Mark
Rothko.
Dies ist der Hintergrund
für die insgesamt sieben britischen Künstler dreier Generationen in unserer
Ausstellung. Zu den frühen Exponenten zählen Michael
Kidner, Jeremy Moon und Robin Denny, die mit exemplarischen Arbeiten
der 1960er Jahre vertreten sind. Eine Brückenfunktion in die Gegenwart
hinein kommt Julian Opie und seiner minimalistischen
Architektur-Skulptur On average present day … zu, welche die kubische
Säule als ikonische Form urbaner Architektur mit dem Vokabular der Minimal
art und der Oberflächenästhetik zeitgenössischer Computeranimationen verbindet.
Vielfach gebrochen gilt das auch für Jim Lambie und dessen Skulpturen-Serie
der »Doors«, während Ian Davenport an Traditionen des monochromen, raumgreifenden
Bildobjekts anknüpft.
Sarah
Morris
Dulles (Capital); 2001
Glanzlack auf Leinwand
214 x 214 cm
Mathias
Göritz
Stahlskulptur,
7-teilig; 1974
Masse Variabel; 30cm Höhe
Auf amerikanischer
Seite sind mit Kenneth Noland einer der Begründer der Post-Painterly
Abstraction, mit Michael Heizer ein früher Exponent der Land art sowie
mit Dan Graham ein Wortführer der Concept art neu in der Daimler Kunst Sammlung
präsent.
Insofern
diese Richtungen im Medium des Bildes an der Wirklichkeit
einer ideellen, spezifisch raumbezogenen Konzeption arbeiten,
sind sie - zusammen mit den europäischen Traditionen vom Suprematismus
über Brancusi und Bauhaus bis zu den Streifenbilder von Richard Paul
Lohse 1948/49 - die wichtigsten Wegbereiter der
klassischen amerikanischen Minimal Art.
Diese Verbindung
von europäischer Konstruktion und amerikanischer Minimalisierung ist
mit außerordentlicher Stringenz seit etwa 1970 im Werk der Amerikanerinnen
Max Cole und Marcia Hafif radikalisiert worden. In den 1980er Jahren
greifen Künstler wie Peter Halley und Haim Steinbach die Thematik erneut
auf, gefolgt wiederum von jüngeren Positionen in unserer Ausstellung
wie Greg Bogin, Sarah Morris und Tom Sachs.
Wollte man einen deutschen Vorläufer der amerikanischen Minimal art
benennen, so wäre hier unzweifelhaft der Name von Mathias Goeritz hervorzuheben.
Georitz war 1949 nach Mexiko gekommen und realisierte ab 1953 zwei der
wichtigsten minimalistischen Skulpturen für den öffentlichen Raum, das
Haus »El Eco« (1953) und die bis zu 57 Meter hohen, antifunktionalen
farbigen »Satellitentürme« (1957).
Ausstellungsansicht
mit Arbeiten von
Michael Kidner und Heerich
Variationen dieser
monumentalen Architektur-Skulpturen haben wir noch einmal die Architekturmodelle
von Erwin Heerich gegenübergestellt. Damit in einen aufregenden Dialog
gebracht sind die Performance-Fotos von Santiago Sierra, der das Vokabular
des Minimalismus gegen Bezahlung ›aufführen‹ lässt, sowie die charmanten
Falthaus-Entwürfe des jungen ungarischen Künstlers Attila Csörgö.