Sammlung Daimler
  
   

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Galerie der Stadt Sindelfingen
19. September - 7. November 2004

 

       Sammlung Jahresübersicht 
 

 

 

    Klassische Moderne bis Minimal
Von Arp und Albers bis Vantongerloo und Willikens

       
               
     


 

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Einführung      
     

 

 

Bekannt ist die museale Qualität der ‚Klassiker' der Sammlung, die durch die Werke von Albers, Arp, Baumeister, Bill, Fleischmann, Hölzel, Lohse, Schlemmer und Winter in der Galerie der Stadt Sindelfingen erneut unterstrichen wird.

Von Schlemmer, dem mit neun Werken aus drei Jahrzehnten innerhalb der Sammlung ein besonderes Gewicht zukommt, zeigt die Ausstellung unter anderem zwei großformatige, über drei Meter breite Wandbildentwürfe aus dem Jahr 1930, die erstmals in der Ausstellung zu sehen sind. Die Entwürfe waren für das Privathaus des Architekten Erich Mendelsohn in Berlin bestimmt.

 

 
     

 

 

 

Josef Albers
Change Directions, 1942
Öl auf Preßspanplatte 60 x 74,5 cm

   
     

 

 

 

Von Schlemmer, dem mit neun Werken aus drei Jahrzehnten innerhalb der Sammlung ein besonderes Gewicht zukommt, zeigt die Ausstellung unter anderem zwei großformatige, über drei Meter breite Wandbildentwürfe aus dem Jahr 1930, die erstmals in der Ausstellung zu sehen sind. Die Entwürfe waren für das Privathaus des Architekten Erich Mendelsohn in Berlin bestimmt.

Mit Künstlern wie Bill, Graeser, Lohse und Arp besitzt die Sammlung desweiteren hervorragende Werke aus der Kerngruppe der ‚Züricher Konkreten', deren theoretischer Kopf bis in die 1960er Jahre Max Bill blieb.

 

 
   

 

 

 

Hans Arp
Coryphée, 1961
Marmor 76 x 26 x 22,5 cm

 

Heimo Zobernig
ohne Titel (REAL), 1999
Acryl auf Leinen 124 x 118 cm

Über die Person von Max Bill, dem Gründungsrektor der Ulmer Hochschule für Gestaltung, verbindet sich beispielhaft das vielen Sammlungskünstlern gemeinsame Interesse an einer interdisziplinären Auseinandersetzung von bildender Kunst, Architektur und Design in der Nachfolge des Bauhauses bis in die Gegenwart hinein. Künstler wie Jan van der Ploeg, Heimo Zobernig, John M Armleder, Gerwald Rockenschaub oder die Baumeisterschülerin Charlotte Posenenske verarbeiten in ihren Werken funktionale und ästhetische Standards aus Graphik- und Produktdesign.

Der künstlerische Rückgriff auf industrielle Fertigung zur Herstellung genormter, idealtypischer Objekte, frei von individueller Handschrift (Posenenske), erhält sein Gegenüber in den skulpturalen Paraphrasen über Design, Oberflächenfetischismus und Zeitgeist von John M Armleder.

Mit den Behauptungen der Avantgarden von absoluter, objektiver und allgemein verbindlicher Kunst und ihrem ethisch-sittlichen bzw. gesellschaftlichen Auftrag haben die malerischen Werke von van der Ploeg, Rockenschaub, Armleder und Zobernig nur insofern zu tun, als dass sie aus dem ästhetischen Fundus der konkreten bzw. konstruktivistischen Kunst formelhaft zitieren.


Die informellen Tendenzen in Deutschland seit den 1950er Jahren sind in der Daimler Kunst Sammlung und in der Ausstellung in Sindelfingen beispielhaft präsent mit Namen wie Bernd Berner, Peter Brüning, Karl Fred Dahmen, Gerhard Hoehme, Fred Thieler und Fritz Winter. Der in dieser europäischen Form sich ausprägende, sogenannte ‚abstrakte Expressionismus' verwirklicht in der Kunst die spontane Ausdrucksmöglichkeit mentaler Stimmungslagen und subjektiver Befindlichkeit. Innere Bildwelten sind die Inspiration einer raschen, unkalkulierten (Brüning, Thieler) oder zurückhaltenden, meditativen Malerei (Winter, Dahmen), die jeweils ohne feste Kompositionsregeln ausgeführt wird.

 
     

 

 


Zeitgleich zum eher lyrisch abstrakten Informel entwickelte sich an der Karlsruher Akademie, federführend vertreten durch HAP Grieshaber und seine Schülern Horst Antes, Dieter Krieg und Walter Stöhrer, eine figürlich-expressive Malerei. Durch die Vermittlung des deutschen Expressionismus und vor allem seiner hartkantigen Darstellung der menschlichen Figur im Holzschnitt, trägt Grieshaber nach dem Krieg dazu bei, existenzielle Fragestellungen in der künstlerischen Darstellung symbolhaft zu verdichten.

In den Werken von Stöhrer und Krieg findet sich eine Ablösung vom Gegenstand, wobei häufig ein fast roher Farbauftrag mit plakativen Wortneuschöpfungen auf die Leinwand gelangt (Krieg) oder in den Werktiteln (Stöhrer) Attacken auf Vernunft und Ordnung lesbar werden, die mit der heftigen, formlosen Malerei korrespondieren.
 

 
     

 

 

 


Adolf Fleischmann:
Triptychon #505, #506, #507, Planimetric motion, 1961
Öl auf Leinwand

   
     

 

 

 

Rupprecht Geiger:
o.T. (OE 280), 1958
Öl auf Leinwand, 78 x 78 cm

   
     

 

 

 

Die Modulation der Farbe als Grundelement der Malerei findet sich in Nachfolge und Auseinandersetzung mit der ersten Generation konkret und konstruktivistisch arbeitender Künstler in den Werken von Geiger, Quinte, Fruhtrunk, Pfahler und Scharein. Weitgespannt aufgetragene Farbfelder, die signalartig das Bildformat überziehen (Pfahler), Beziehungen zur Architektur ohne illusionistische Abbildhaftigkeit suchen (Geiger) oder die Flächigkeit des Bildträgers durch gegeneinander gestellte Farbklänge behaupten (Fruhtrunk) sind charakteristisch für das deutsche Hardedge und die minimalistische Malerei der 1960er Jahre, die in der Daimler Kunst Sammlung vertreten sind.

 

 
   

 

 

 

Ben Willikens
Flur Nr. 13
160 x 200 cm
Acryl auf Leinwand 1974/75

Ben Willikens kommt, ähnlich wie Schlemmer und Bill, in der Sammlung eine herausgehobene Bedeutung zu. Willikens Thema ist die Darstellung leerer, von der Außenwelt hermetisch abgeschlossener Räume. Der räumliche Illusionismus erhält seine oft klinische Kälte in perfekt aufeinander abgestimmten Grauwerten, die auch als einzelne, den Raum architektonisch aufbauende Farbfelder gesehen werden können. Malerische Reduktion und perspektivische Darstellung beziehen den Betrachter in der Raum ein und lassen ihn als vereinzeltes von der Gesellschaft isoliertes Individuum wahrnehmen. Die Ausstellung zeigt eine repräsentative Auswahl an Werken aus dem Besitz der Sammlung, darunter Willikens Entwürfe für die Wandbilder des Auditoriums in der Konzernzentrale in Stuttgart-Möhringen.

 
     


 

 

Die Ausstellung Klassische Moderne bis NeoGeo in der Galerie der Stadt Sindelfingen zeigt damit einen repräsentativen Querschnitt der Kunst Sammlung Daimlermit ausgewählten Schwerpunkten deutscher und europäischer Kunst. Entsprechend dem Charakter der Sammlung findet sich in der Ausstellung die Konzentration auf Bildwerke, die die europäische Tradition der abstrakten Tendenzen bis in die Gegenwart hinein reflektieren. Einzelne wichtige Positionen wie Schlemmer, Willikens, Fruhtrunk und Geiger, jedoch auch eher der breiten Öffentlichkeit unbekanntere Namen wie Charlotte Poseneske oder Douwe Jan Bakker, vermitteln erneut das eigenständige Profil der Sammlung einer kunstinteressierten Öffentlichkeit.
 

 
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