Jo Baer
H. Arcuata, 1971
Öl auf Leinwand
Ca. 70 x 280 x 10 cm
Anselm
Reyle
trust, 2000
Laminatplatten, Neon
237 x 400 x 11 cm
Lampe,
2002
Found object, strobo
Im Herbst 2000
wurde die Ausstellungsreihe »Minimalism and After« als einer der Schwerpunkte
der langfristigen Ankaufsplanung für die Daimler Kunst Sammlung konzipiert.
Heute sehen wir, dass wir den wichtigsten Trend des Ausstellungsjahres
2004 vorweggenommen haben.
Mehrere große Museumsausstellungen
zwischen Los Angeles, Houston, New York und London - hervorzuheben »A
Minimal Future« und »Geometry and beyond« in Los Angeles - widmen sich
aktuell dem Minimalismus und der Geometrischen Abstraktion als einem
wesentlichen Phänomen in Europa und den USA um 1960. Viele Namen, denen
man dort begegnet, waren zuvor in den Ausstellungen der Daimler Kunst Sammlung
in Berlin, Karlsruhe, Detroit und Pretoria zu sehen.
Drei Charakteristika
unserer Ausstellungsreihe, die bei manchen mitunter Fragen aufwarfen,
finden in den aktuellen Großausstellungen ihre Bestätigung. Das betrifft
zunächst die Positionierung von Minimalismus und Geometrischer Abstraktion
als eines eigenständigen künstlerischen Phänomens neben der klassischen
Minimal Art. Darüber hinaus werden europäische und amerikanische Entwicklungen
nicht länger streng getrennt untersucht. Unsere Ausstellungsreihe »Minimalism
and After« gründet in der Überlegung, dass eine transatlantische
Wirkungsgeschichte abstrakt-geometrischer, reduzierter Bild-/Objektformen
neu zu entdecken ist.
.
Diese Wirkungsgeschichte nimmt ihren Ausgang mit der ‚Emigration'
von Bauhaus und Konstruktivismus in den 1930er Jahren und deren Rezeption
in den USA. Sie führt in den 1950er Jahren über den Dialog amerikanischer
Vorformen des Minimalismus mit Entwicklungen von ZERO und Neuen Tendenzen
in Europa.
Kulminationspunkt
sind um 1960 die parallelen Ausformungen einer minimalistischen
Bildkonzeption auf beiden Seiten des Atlantiks. Von besonderer
Bedeutung schließlich für unsere Reihe »Minimalism and After« ist die
programmatische Einbeziehung der zeitgenössischen
Kunst, wie es allerdings aktuell nur die Schau des New Yorker Guggenheim,
»Singular Forms (Sometimes repeated)«, vergleichbar unternommen hat.
Alexander
Liberman
Revolving, 1959
Öl auf Leinwand, 61 x 91.4 cm
Absalon
Disposition, 1988
Holz, Kork, weiß bemalt 107 x 182 x 28 cm
Das zeitgenössische
Aufgreifen der oben beschriebenen Wirkungsgeschichte und die Rückbesinnung
auf viele heute zu Unrecht vergessene Künstler/innen ist aus unserer Sicht
insofern relevant, als eine kontinuierliche Diskussion der ästhetischen,
politischen und formalen Grundlagen des Minimalismus als ein Movens der
Gegenwartskunst zu beobachten ist. Dass die interessantesten Vertreter
in Design und Architektur ebenfalls eine hoch differenzierte, auf Prämissen
von Mies van der Rohe bis Donald Judd zurückgreifende Formensprache entwickelt
haben, sei hier am Rande erwähnt.
Schwerpunkt in
»Minimalism and After III« sind amerikanische und deutsche Künstler/innen
im Dialog (für 2005 bereiten wir derzeit ein Gegenüber britischer und
osteuropäischer Positionen von 1960 bis heute vor). Insgesamt werden
27 künstlerische Positionen mit rund 60 Werken aus fünf Jahrzehnten
in unserer aktuellen Ausstellung vorgestellt.
Amerikanische Grenzpositionen
zwischen Neokonstruktivismus und Vorformen des Minimalismus in der Nachfolge
von Bauhaus, Mondrian und Suprematismus sind in unserem Kontext mit
zwei Malern der Westküste vertreten, Karl Benjamin
und Frederick Hammersley. Beide waren 1959
in der vom Los Angeles County Museum of Art organisierten, wegweisenden
Ausstellung »Four Abstract Classicists« vertreten - neben John
McLaughlin, den wir 2003 vorgestellt haben.
.
Als Rückgriff in
die Frühzeit abstrakter Bildprogramme in den USA zu lesen sind zwei Quilts
(entstanden 1895 bzw. 1935) der Amish People. Wichtige Vertreter des Minimalismus
im New York der 1950er/1960er Jahre waren Alexander
Liberman, Ilya Bolotowsky, Al Held, Oli Sihvonen und Jo Baer, eine
der wenigen herausragenden Frauengestalten in diesem Kreis.
Lothar
Quinte
Faltbild schwarz-blau-schwarz, 1968
Mischfarben auf Leinwand 200 x 245 x 40 cm
Erwin
Heerich
Ohne
Titel (Vier Architekturmodelle)
Styropor, je ca. 30 x 30 x 20 cm
Ein zeitlich
paralleles Feld europäischer Kunstentwicklungen ist mit den Werken von
Poul Gernes, Hartmut Böhm, Erwin Heerich, Christian
Roeckenschuss und Lothar Quinte in unserer Ausstellung präsent.
Den Übergang von
den 1960er Jahren zu aktuellen internationalen Tendenzen markieren das
schlichte Streifenbild von Andreas Brandt,
das singuläre Wandobjekt und die Videoarbeit von Absalon,
das konzeptuelle Bildobjekt Thomas Lochers
sowie die minimalistischen Zeichnungsfolgen der 1990er Jahre von Hartmut
Böhm und Helmut Federle.
Die für diese Ausstellung
ausgewählten Werke junger deutscher und amerikanischer Künstler/innen
spiegeln die in den frühen Werken angelegte Grenzüberschreitung Konstruktivismus
/ Geometrische Abstraktion / Minimalismus. Den konstruktiv-geometrischen
Pol vertreten hier vor allem die Amerikaner Douglas
Melini und und John Tremblay, auf
europäischer Seite Jens Wolf und Beat Zoderer.
Die Traditionslinie
des minimalistischen Bildobjekts wird zeitgenössisch weiter verfolgt im
Werk der Deutschen Gerold Miller und Anselm Reyle
sowie im glänzenden Finish der Objektbilder des New Yorkers Vincent
Szarek. Die Architekturbilder Anselm Pinckernelles
schließlich vermitteln in unserem Kontext die in den 1960er Jahren wurzelnden,
idealistischen Architekturentwürfe von Erwin Heerich
mit den minimalen Strukturen einer Michelle Grabner.
Tadaaki Kuwayama und Yuyi Takeoka
repräsentieren exemplarisch reduktionistische Bildkonzepte japanischer
Provenienz.