Sammlung Daimler
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Contemporary - Profil und Übersicht
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Skulpturenrundgang am Potsdamer Platz Publikationen

Guy Tillim, Südafrika

 

Daimler Award for South African 2004


Mercedes-Benz Museum
Stuttgart Untertürkheim

7. - 9. Mai 2004

Daimler Contemporary
17. Juni - 22. August 2004

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Auf der Erde leben und Sterne sehen können


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Pressebilder und Katalogtext

   
 

Renate Wiehager zu den Arbeiten von Guy Tillim

Es geschieht gelegentlich im Umgang mit Werken zeitgenössischer Kunst - und das gilt im Falle der Fotografien von Guy Tillim -, dass man sich aufgefordert fühlt, die eigenen, gut erprobten Begrifflichkeiten zur Frage der Funktion und Bedeutung von Kunst im gesellschaftlichen Kontext neu zu überdenken. Von der Fotografie könnte man sagen, dass sie die Momente von Distanznahme, Aufmerksamkeit und Unterscheidung im besten Falle schon in den vorbereitenden Schritten erprobt, die dem eigentlichen künstlerischen Produkt, dem fertigen Foto, vorausgehen. Auswahl, Isolierung, Auslösen - sie bestimmen das Bild der Welt, mit denen die Fotografie uns konfrontiert.

   
   


Kunhinga, Angola
February 2002

 

   
 

Für Guy Tillim gilt, dass seine künstlerische Haltung sich auf der heiklen Grenze zwischen Empathie und Distanzierung formuliert. Seine Wege durch die Länder des südlichen Afrika sind nicht von vorgezeichneten Zielen diktiert, sondern scheinen einer zunächst vorurteilsfreien Aufmerksamkeit für die Gegebenheiten und die Lebenswelten zu folgen, welche die Menschen selbst herbeigeführt haben und in die sie gleichermaßen hineingestellt sind. Tillim sucht nicht das ‚richtige' , das ‚geglückte' Motiv, er lässt sich von Bildern gleichsam auffinden, läßt sie an sich herantreten, um sie zugleich in gerichteter Bewegung zu umkreisen, sie zu schildern.

   
   

 

Luanda, Angola November 2001

Kunhinga, Angola , February 2002

 

 

   
 

Tillims Bilder sind geleitet von der disziplinierten Vermeidung alles immer schon Geglaubten und jeder Form von Schwarzweißmalerei. Die Übergänge zwischen den Welten der Täter und Opfer sind fließend, gewissermaßen eine Frage des - hier fotografischen - Standpunktes. Aus solcher Haltung eines vorurteilsfreien sich Hineinbegebens in die fatale Widersprüchlichkeit menschlicher Existenz und Selbstdeutung, wie sie der Mensch Tillim zu erproben scheint, erwächst für den Künstler Tillim eine Freizügigkeit der Deutungspraxis, die den Betrachter nicht zur Ruhe kommen lässt.

Schaut aus den beiden leeren Fenstern des zerstörten Militärcamps im Kongo ein versprengter Soldat hinaus in die Landschaft? Oder spähen wir mit den ängstlichen Augen eines Geflohenen, eines Überlebenden in eine Natur, in der überall Bedrohung lauert?

   
   

Democratic Republic of Congo
Dec 2002 - Jan 2003

 

   
 

Metaphorische Qualitäten in dieser Weise gewinnen Tillims Fotos durch drei künstlerische Entscheidungen: das Arbeiten in Serien, die Rekontextualisierung des Einzelbildes innerhalb des Werkes, die Individualisierung der Perspektive.

Die Arbeit in fotografischen Serien ist bei Tillim nicht als Methode zu sehen, aus einer möglichen Fülle und Auswahl am Ende das ‚gültige' und ‚verwertbare' Motiv herauszufiltern, sondern folgt einer Haltung, welche die Bedingtheit der eigenen Erkenntnis akzeptiert und künstlerisch zu artikulieren sucht. Neben der oben beschriebenen Serie aus dem zerstörten Zentrum von Kuito, Angola, gibt es in dieser Publikation die Serien der farbigen Porträts von Vertriebenen in Angola, die ergreifende Serie der militärisch getarnten Kindergesichter, die zur Verteidigung ihrer Dörfer angetreten sind

Tillim liefert uns, trotz genauer Orts- und Situationsangaben, keine journalistisch verwertbaren fotografischen Befunde, sondern zieht uns hinein in den Kreislauf von Deutungen und Standpunkten, Sichtweisen und Interpretationen, er zwingt uns hinein in eine Offenheit für Bezüge und Verweise, welche die scheinbare ‚Schwäche' der Urteilsfindung ummünzt in die Stärke genauen und wiederholten Hinsehens. Eben hierin liegt begründet, was das Werk und die Haltung von Guy Tillim mit Paul Valery gesprochen als "Résistance au facile", als Widerstand gegen den leichten Weg, qualifiziert.

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