Ein
Dialog der Sammlungen
Ileana Sonnabend, New York,
und Daimler Kunst Sammlung
Aus
der Sonnabend Collection
Andy Warhol, Donald Judd, Robert Morris, Bernd und Hilla Becher, John
McCracken, Bruce Nauman, Haim Steinbach, Mel Bochner, Rona Pondick,
Jeff Koons, Ashley Bickerton, Clay Ketter und Matthew Weinstein
Aus der Daimler Kunst Sammlung
Andy
Warhol, Franz Erhard Walther, Haim Steinbach, Georg Herold, Silke Radenhausen,
Eva Maria Reine, Andreas Reiter Raabe, Gail Hastings und Pietro Sanguineti
Eröffnung
der Ausstellung im Haus Huth:
Dr.
Manfred Gentz; Vorstand DaimlerDr. Renate Wiehager, Leiterin der Daimler Kunst Sammlung
Ileana Sonnabend
Ileana
Sonnabend gehört zweifellos zu den maßgeblichen, großen Persönlichkeiten
der internationalen Kunstwelt. Als Galeristin in New York beginnend
1954, zunächst in Allianz mit Leo Castelli, ist es ihr Verdienst, Künstler
der Pop-Art, wie Robert Rauschenberg und Jasper Johns, früh entdeckt
und gefördert zu haben.
Jeff
Koons
Hoover Ileana
Sonnabend Collection
Mit
ihrem Umzug nach Paris im Jahr 1962 etabliert Ileana Sonnabend mit ihrem
zweiten Ehemann Michael Sonnabend die Pop Art Américaine in Europa:
1963 zeigt sie unter diesem Ausstellunsgtitel Lee Bontecou, Claes Oldenbourg,
Andy Warhol, James Rosenquist, John Chamberlain und Tom Wesselmann.
Pop-Art
und Nahtstelle für europäische und amerikanischer Entwicklungen
Statt
sich jedoch allein der Erfolgsgeschichte der Pop-Art zu widmen, gilt
bald ihr leidenschaftliches Interesse dem Minimalismus,
der Prozess Kunst und der Arte povera: Michelangelo Pistoletto,
Giovanni Anselmo, Pier Paolo Calzolari und Gilberto Zorio sind in ihrer
Pariser Galerie ebenso vertreten wie Dan Flavin, Donald Judd, Robert
Morris, Bruce Nauman, Mel Bochner, Christian Boltanski oder Vito Acconci,
um nur einige zu nennen.
Entsprechend
gestaltet sich die Sammlung Sonnabend sehr differenziert aus: Mit Vorliebe
und Interesse für konzeptuelle Kunst, Objektkunst
und installative Werke bildet die Sammlung eine Nahtstelle für
die gegenseitigen Einflussbereiche europäischer und amerikanischer Entwicklungen.
Genauso
wie Ileana Sonnabend Anfang der 1960er Jahre ihren amerikanischen Künstlern
Europa eroberte, erhält 1971, mit ihrer Rückkehr über Genf nach New
York, die europäische Kunst eine wirkungsvolle Plattform in Amerika.
Mit den Galerien Castelli, Weber und Emmerich bezieht sie eine alte
Papierfabrik in Downtown New York und macht damit SoHo für einige
Jahrzehnte zum Dreh- und Angelpunkt der internationalen Kunstwelt.
Indem
sie ihre Pariser Galerie als Dépendance bis 1980 weiterhin führt, bleiben
für Ileana Sonnabend amerikanische und europäische
Konzepte, Schulen, Gemeinsamkeiten und Auseinandersetzungen im präzisen
und unverstellten Focus ihrer Sammlungs- und Ausstellungstätigkeit
bestehen: In New York zeigt sie in den nächsten Jahren Bernd und Hilla
Becher, Gilbert & George, Piero Manzoni, Anne & Patrick Poirier, Marcia
Hafif, Jannis Kounellis, Mario Merz oder Hamish Fulton.
Haim
Steinbach ultra
red no1; 1986 Ileana
Sonnabend Collection
In
den 1980er Jahren
Der
diskursive Charakter in
Ileana und Michael Sonnabends intensiver Vermittlung sowie dem Ankauf
von Kunst bleibt konsequent bis in die Gegenwart bestehen. Entsprechend
verläuft die Galeriehistorie und erweitern beide ihre Sammlung in den
1980er Jahren mit Werken der ‚Neokonzeptualisten'
und der als entfants terribles in der Szene bekannten Künstler
Ashley Bickerton, Jeff Koons, Peter Halley und Mayer Vaisman, die Ileana
1986 in einer damals sehr umstrittenen Ausstellung das erste Mal zusammen
zeigt.
Mit
Werken von beispielsweise Haim Steinbach, Peter Fischli & David Weiss,
Clay Ketter, Matthew Weinstein, Rona Pondick oder Wim Delvoye entwickelt
die Sammlung Sonnabend ihr Spektrum bis heute fort.
Zeitzeugin
zahlreicher ‚Ismen'
Anhand
ihrer hervorragenden Exponate legt die Sammlung einige relevante Muster
der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts offen: Die
triumphale Wirkungsgeschichte des Ready-mades, den außerordentlichen
Konflikt über das Postulat des Minimalismus sowie die Selbstbefragung
und Selbstbespiegelung von Künstlerinnen und Künstler in ihrer
sowohl kritisch reflektierten als auch gerne in Anspruch genommenen
gesellschaftlichen Rolle.
Als
Zeitzeugin zahlreicher ‚Ismen' des letzten Jahrhunderts hat Ileana Sonnabend,
wie an ihrer Sammlung seismologisch abzulesen, nie den Überblick über
Haupt- und Nebenwege der Kunst verloren. Als Amerikanerin in Europa
oder Europäerin in New York hat sie Standards
gesetzt und Kunstgeschichte geschrieben.