Michael Zahn
*1963 in Cleveland, USA, lebt in New
York, USA
Untitled (Palette
with Objects), 2002
Acryl auf Plexiglas, 3 Teile
Seit 1999 arbeitet
Michael Zahn an malerischen Rückübersetzungen der Symbolsprache des
Computers. Die zur Verbildlichung der Programmiersprache des Computers
entwickelten »Icons« werden von Zahn in eine minimalistische, abstrahierte
Bildsprache überführt. Seine Bilder von Fenstern, Menüs oder Symbolleisten
schweben in objekthafter Isolierung vor der Wand, so dass der gemalte
Desktop sich in der Architektur verräumlicht. Die mit einer Farbrolle
aufgetragene Farbe entwickelt eine artifizielle Plastizität.
Palette with Objects
zeigt drei Menüs, eines davon die Farbpalette eines Graphikprogramms.
Die Farbskala knüpft an Bildthemen vom frühen Ellsworth Kelly bis Gerhard
Richter farblich an. Die Farbskala spielt mit der Idee einer spiegelbildlichen
Anlage entlang der Mittelachse. Der Betrachter findet einen abstrakten
Bildschirmaufbau vor, der im Prozess der Wahrnehmung gleichsam mit individuellen
Nutzer-Einstellungen belegt, also gedanklich neu konfiguriert werden
muss.

Gerwald Rockenschaub
*1952 in Wien, A, lebt in Berlin, D
Six animations,
2002
6 DVDs, 6 DVD-Player, 6 Monitore, auf
Sockel und Bodenplatte
Die Videoinstallation
Six animations übersetzt eine konstruktiv-synthetische Bildsprache in
poppig-bunte Computeranimationen. Die Kompositionsprinzipen der Abstraktion
werden animiert, durch Variation gebrochen und in ein Crossover von
Graphik und Technomusik transferiert.
Six animations
macht deutlich, wie stark das Bilderreservoir der Kunst inzwischen von
den Massenmedien vereinnahmt worden ist. Ständig sich verbessernde technische
Möglichkeiten führen zu immer perfekteren Produkten, für welche Kunstgeschichte
nur Warenästhetik ist. Während die historische Abstraktion zum Musterlieferanten
für Mode, Graphik und Design geworden ist, bleibt sie paradoxerweise
als Kunst den meisten fremd. So wird auch erst bei genauerer Betrachtung
und im Kontext einer minimalistischen Bildsprache deutlich, dass die
reduzierte Form der Videoinstallation nicht nur das aktuelle, inzwischen
weltweit zur Norm gewordene Shopdesign von Sony bis Prada reflektiert,
sondern ihren Ausgang in den Skulpturen der Minimal Art nimmt.
Ohne
Titel, 1986
Öl auf Leinwand
Gerwald Rockenschaub
zählte Mitte der 80er Jahre zu einer Gruppe junger Künstler, die sich
mit der Formensprache der abstrakten Avantgarden beschäftigte. Der »Neo
Geo« durchdrang die Formensprache der Minimal Art mit der konsumistischen
Haltung der Pop Art. Seine Vertreter suchten in der Kunst die visuelle
Sensation des aus der Kunstgeschichte Herausgelösten.
Gerwald Rockenschaubs
modellhafte, kleinformatige Arbeiten der achtziger Jahre eignen sich
die Abstraktion an, ohne sie historisieren zu wollen. Sie führen weder
auf inhaltlicher Ebene zu einem Diskurs noch knüpfen sie in ihrer coolen
Neutralität auf formaler Ebene an Fragestellungen der Malerei an. Er
versteht sie als »Darstellungs- und Spielform, als Möglichkeit künstlerischer
Aussage in modellhafter Form.« (G. R.)
Daher werden seine
Bilder auch nicht mehr durch die sozialen oder metaphysischen Utopien
der Wegbereiter der Abstraktion getragen, sondern von in der Alltagswelt
durchgesetzten abstrakten Codes und Mustern. Es sind Piktogramme, die,
abgesehen von der Musik, auf keinen speziellen soziokulturellen oder
symbolischen Kontext verweisen.