
John M Armleder
*1948 in Genf, CH, lebt in Genf, CH
Untitled (FS 80),
1985
Emaillack auf Pavatex, Tisch, mit Resopal
beschichtet
Abstraktion und
Readymade, zwei der richtungsweisenden Neuerungen der Kunst des 20.
Jahrhunderts, treffen in John Armleders Furniture Sculptures (FS) aufeinander.
Formal bezieht sich FS 80 auf die Skulpturenensembles der frühen amerikanischen
Minimalisten, deren idealistischer Impetus jedoch durch das triviale
Möbel unterwandert wird. Das Punktraster greift ein häufig streng theoretisch
fundiertes Grundthema der abstrakten Malerei auf, das aber zugleich
trivialisiert und ironisiert wird, wenn wir das Material als handelsüblichen
Dämmstoff zur Schallisolierung erkennen. Armleders Werk spielt mit der
gesammelten »Bedeutungsfülle« der Kunstgeschichte, die aber, je länger
wir sie betrachten, umschlägt in den Eindruck kläglicher dekorativer
»Leere«. Die Polarisierung zwischen Geist und Materie, zwischen Ideal
und Müll - das weiß John Armleder - gilt nicht mehr. Das ist Gewinn
und Verlust zugleich: Verlust an Orientierung, Gewinn an Entscheidungsfreiheit.

Katja Strunz
*1970 in Ottweiler, D, lebt in Berlin,
D
Ohne Titel, 2002
Holz, z.T. schwarz lackiert
Die Reliefs von
Katja Strunz entfalten sich in die durch Zeit und Raum bestimmte Realität
hinein. Strunz setzt mehrere Fluchtpunkte ein. Dadurch verstärkt sie
den artifiziellen Charakter ihrer Objekte und löst sich von den herkömmlichen
Raumkonzepten, die sich auf einen Betrachterstandpunkt konzentrieren.
Die Oberflächen ihrer Arbeiten setzen sich aus auseinanderstrebenden
Ebenen zusammen, während sich ihre Dreidimensionalität durch die spitzwinkelig
auslaufenden Enden verflüchtigt. Die Künstlerin generiert auf diese
Weise die Idee der Ferne des utopischen Raums. Die Reliefs von Katja
Strunz knüpfen an die kristallin gefalteten Skulpturen des Minimalisten
und Land Art Künstlers Robert Smithson aus den frühen 60er Jahren an,
zugleich bewahren sie eine sehr europäische Dimension: »Mich beschäftigt
die Differenz von Vergangenheit und Gegenwart, das diskontinuierliche
Nachwirken und die Konstruktion von Vergangenheit in der Gegenwart.«
(Katja Strunz)