Gene
Davis
1920 - 1985 Washington, USA
Ohne Titel, 1969
Öl auf Leinwand
Gene Davis gehört
zur Tradition der amerikanischen geometrisch-abstrakten Malerei, welche
die Farbfeldmalerei vorbereitet hat. Seit 1959 widmet sich der Künstler
ausschließlich dem Bildthema der Streifen, deren Länge und Breite im
Verhältnis zur Größe der Leinwand exakt kalkuliert ist. Es entstehen
potentiell in den Raum ausgreifende Bildfelder, ähnlich denen der späteren
Minimal Art. Die Repetition eines einzelnen Elements und die Aufgabe
eines Kompositionsschwerpunktes beziehen sich auf das All-over Jackson
Pollocks. Der homogene Farbauftrag, die vertikalen Streifen sowie das
klassisch anmutende Maß seiner Bilder sind auf den unmittelbaren Einfluss
Barnett Newmans zurückzuführen. Gene Davis Bilder entwickeln einen dynamischen
Zug in die Höhe, der an gotische Architekturen denken läßt. Wie Buren
oder Toroni hat auch Davis seine Streifenthematik aus einem aktionistisch-politischen
Impuls heraus in den öffentlichen Raum übertragen.

John McLaughlin
1898 in Sharon, USA - 1976 Dana Point,
USA
#1 - 1962, 1962
Öl auf Leinwand
Der in Europa weithin
unbekannte John McLaughlin wird zu den Wegbereitern der Minimal Art
und des Hard Edge Painting gezählt. Bereits als junger Mann interessierte
er sich für die asiatische Kunst und bereiste China und Japan. Während
des Krieges arbeitete er für die Sino Intelligence der amerikanischen
Armee in Fernost. Erst nachdem McLaughlin sich 1946 fast fünfzigjährig
in Dana Point niedergelassen hatte, begann er zu malen. Die Faszination
für die fernöstliche Kunst und Kultur, ebenso für das Werk von Kasimir
Malewitsch und Piet Mondrian, sollte sein Denken und Handeln weiterhin
prägen. #1 - 1962 gehört im Werk von McLaughlin zu einer kleinen Gruppe
Anfang der sechziger Jahre entstandener Arbeiten, in welchen die vertikale
Streifen die Bildfläche strukturieren und in eine rhythmische Bewegung
versetzen. McLaughlin wollte den Betrachter im Sinne des Zen, mit dem
er sich zeitlebens beschäftigte, zu einer »kontemplativen« Haltung anregen.
Charlotte Posenenske
1930 - 1985 Frankfurt a. M., D
8 Reliefs der Serie
C, 1967
Stahlblech, gelb, gekantet
Die 8 gelben, 1967
entstandenen Reliefs der Serie C wurden vorzugsweise als Reihe identischer
Elemente gehängt. Die Elemente können industriell und in großer Auflage
hergestellt werden, das Handlungsmoment und die Aktivierung des Betrachters
spielen eine große Rolle. Die Radikalität des Konzepts rief Begeisterung
oder schroffe Ablehnung hervor: »Eines zeichnet die Werke der Künstlerin
vor allem aus: Ihre Einfachheit ist derart herausfordernd, dass sich
vor ihnen kein stillschweigender Kompromiss schließen lässt«, hieß es
in einer Zeitungskritik. »Wohnkultur und Schaufensterdekoration werden
großen Nutzen davon haben«, vermerkte 1967 die FAZ maliziös.
Ende 1968 kehrt
Posenenske inmitten einer vielversprechenden Karriere der Kunst den
Rücken und beginnt ein Studium der Gesellschaftswissenschaften: »Es
fällt mir schwer, mich damit abzufinden, dass Kunst nichts zur Lösung
drängender gesellschaftlicher Probleme beitragen kann«. (Charlotte Posenenske)

David Novros
*1941 Los Angeles, USA, lebt in New
York, USA
Untitled (silver),
1966
Öl auf Leinwand, 6 Teile, 244 x 246
cm
David Novros gehört
zu den wichtigsten Vertretern der »Systemic Painting« genannten Richtung
des amerikanischen Minimalismus. Untitled (silver) besteht aus L-förmigen
Elementen, die objekthaft den dreidimensionalen Raum thematisieren.
Die Tiefe der einzelnen Teile unterstreicht das skulpturale Moment der
Installation.
Der Künstler verzichtet
auf das flächige Bild und zieht den architektonischen Raum jener »flatness«
vor, wie sie gerade die minimalistische Malerei eines Barnett Newman
oder Frank Stella betonte. Daher exponieren Novros' Arbeiten die Wand
ganz bewusst als Träger und machen sie zu einem Element der Komposition.
An der Schnittstelle von Wand und Raum operierend, ist die Arbeit als
Teil des Raums, als »painting as wall« (David Novros) zu verstehen.
Innerhalb
der Werkgruppe der mehrteiligen Bildobjekte überwiegen die farbigen
Arbeiten, das Umspielen von Monochromie wie in Untitled (silver) bleibt
die Ausnahme.