Zehn der Fotografien
waren 1977 als Portefolio in Amerika erschienen. Aufgrund der Recherchen
von Ralph Jentsch, Nachlaßverwalter und Bearbeiter des Oeuvrekataloges
von Grosz, kamen 1994 die insgesamt 200 erhaltenen Kontaktabzüge zutage,
jedoch konnten bis heute die Negative nicht aufgefunden werden. Mittels
spezieller fototechnischer Verfahren war es möglich, von 60 ausgewählten
Arbeiten Abzüge in Vintage-Qualität zu fertigen, die nun von Berlin
aus auf Tournee gehen (auf die Berliner Premiere folgen Ulm, Oldenburg
und Paris; anschließend weitere Stationen in Europa und den USA).
Zur Ausstellung
erscheint eine von Ralph Jentsch bearbeitete, umfangreiche Buchpublikation.
Im Daimler Contemporary trifft die Ausstellung "George Grosz. Fotografien New York
1932 - Das Auge des Künstlers" auf die parallele Präsentation einer
aktuellen Position eines dezidiert politischen Realismus: die 1959 geborene
südafrikanische Bildhauerin Jane Alexander,
Preisträgerin des Daimler Award for Southafrican Sculpture 2002,
wird in ihrer ersten europäischen Einzelausstellung vorgestellt.
Von Futurismus
und Dada herkommend tritt George Grosz in der Weimarer Republik als
schonungsloser Zeitkritiker auf. Im Stil beissender politischer Karikaturen
geißelt er Militarismus, Kapitalismus und den aufkommenden Nationalsozialismus,
die abgründige Moral des Klerus und die Verfallsformen der Großstadtbourgeoisie.
Seine Darstellung des gekreuzigten Christus mit Gasmaske ("Hintergrund",
1924) verwickelt ihn in einen über Jahre sich hinziehenden Gotteslästerungs-Prozess.
Das 1932 eintreffende
Telegramm der Art Students League of New York mit der Einladung, für
einen Sommer als Lehrer nach New York zu kommen, trifft in diese dunkle
Zeit als hoffnungsvolles Zeichen - die Fotos der Reise und des Ankunftstages
in New York spiegeln Grosz' Haltung von offener Neugier, Optimismus
und Entdeckerfreude.
Auf dem Ozeandampfer "New York" beobachtet er mit der Kamera die Mitreisenden
und registriert technische Details.