
Eckhard Schene
1941-1975 in Kiel/ D
Trophy 9/71
1971 Holz, Kunstharz, PVC, 100 x 100
x 30 cm
In den 60er Jahren
setzte sich in Europa die Minimal Art, und in der Folge der Akzent auf
dem plastischen Arbeiten, immer stärker durch. Wie damals bei Künstlern
nicht selten, gab auch Eckhard Schene die Malerei zugunsten der Plastik
auf, um die räumliche Kraft seiner Werke zu prüfen, eine Synthese von
Raum, Licht, Volumen, Körper und Bewegung zu schaffen. Es entstanden
Wandplastiken, deren Holzkörper bereits eigenständige plastische Arbeiten
waren und an die "specific objects" Donald Judds erinnerten, während
die Luftkissen dem Antiformcharakter Robert Morris entsprächen.
Die einzelnen Teile
von Trophy 9/71 wurden industriell gefertigt und von einem Handwerksbetrieb
nach Schenes Vorgaben weiterbearbeitet. Das PVC läßt Lichtspiegelungen
der äußeren Umgebung zu, gibt den Blick auf den umschlossenen Innenraum
sowie den dahinter liegenden Körper frei.
Durch Veränderung
der Luftmenge kann der Künstler auf vorgegebene äußere Bedingungen wie
Licht, Farben oder Umgebung reagieren, aber auch persönliche Stimmungen
visualisieren. Den pneumatischen Körpern fehlt jedoch die Stabilität
und visuelle Klarheit der Holzplastik.
Die massiv wirkenden
Quadrate streben in den Raum hinein, gliedern und rhythmisieren ihn,
lassen aber eine weitere Ausdehnung der Kissen nicht zu. Die amorphen
Formen der Kissen dagegen lockern die starre Komposition auf und variieren
in Form und Festigkeit.

Trophy III/69,
1969 2 Teile, Holz, Kunstharz, 192 x
140 x 30 cm
1969 vollzog Eckehard
Schene, der sich lange für Zero interessiert hatte, mit Trophy III/69
den Schritt zur Minimal Art endgültig. Das Objekt besteht aus zwei langstreckten
Körpern unterschiedlicher Größe, die mit ihren abgeschrägten Schmalseiten
an die Wand gelehnt sind.
Die durch eine angeschrägte Kante verstärkte, verkürzte Perspektive
läßt einen dynamischen Zug entstehen. Zugleich beschreibt die Plastik
durch ihre Aufstellung einen dreieckigen Raum zwischen Wand, Boden und
Skulptur.
Die flächigen Vorderseiten vermitteln den Anschein, die Hauptansicht
zu sein, während die Schräge des Objekts eher die Seitenansicht als
Betrachterstandpunkt vermuten läßt.
Dadurch bezog Schene das Bewegungsmoment des Betrachters ein und erweiterte
die räumliche Wirkung seiner Objekte durch die vierte Dimension, die
Zeit. Er wollte, daß sich der Betrachter vor seiner Arbeit bewegt, um
sie vollständig zu erfassen.
Trophy III/69 macht
Schenes Bestreben deutlich, seine Objekte von der Wand zu lösen und
in den Raum eingreifen zu lassen. Ihre Form, ihre Beziehung zur Architektur
und ihre kalkulierte Wirkung greifen in vorgegebene räumliche Verhältnisse
ein, setzen die für die Minimal Art wesentliche Prämisse von "place
and presence" um. Das große Format der Arbeit täuscht Übersichtlichkeit
vor, irritiert jedoch durch den Verzicht auf einen eindeutigen Betrachterstandpunkt.
Zugleich zwingt dies den Rezipienten, die unterschiedlichen Aspekte
der Arbeit zu erforschen.
zurück
zur Ausstellungsübersicht